Thomas Spielmanngeb. 1967 in Ravensburg | lebt und arbeitet in Berlin Förderprojekt 2002 ![]() Ausbildung
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Entwürfe und Wettbewerbsarbeiten für den öffentlichen Raum
Publikationen
Thomas Spielmann setzt in seinen großformatigen, mit Ölfarbe überarbeiteten Fotografien, die Medien Malerei und Fotografie in Relation. Mit der Malschicht über den Fotos gelingt es ihm, eine realere, dem jeweiligen Geschehen entsprechende Situation für das Bild herzustellen. Das Bild steht für ihn im Vordergrund; es ist für ihn Reflex und Stimulanz. Die Fotografie, ganz allgemein, ist trotz ihrer erstaunlichen Wirklichkeitstreue nie eine Kopie der Wirklichkeit. Sie ist vielmehr –immer das Vorbild im Blickfeld– eine außerordentlich zuverlässigebildnerische Umformung der Wirklichkeit mit eigener Gesetzgebung. Sie reproduziert zwar die äußere Wirklichkeit mit größerer Bündigkeit , als die vollkommenste Malerei es tun könnte. Sie ist aber immer eine Wirklichkeit rein technischer Natur. Die fotografische Optik hat eine Neigung zum flächenhaften Aufzeichnen der Dinge, die Tiefendimension schrumpft auf einen optischen Nullwert zusammen und auch die natürliche Farbigkeit der Wirklichkeit wird auf ein entsprechendes Muster reduziert. Selbst der Farbfilmsetzt der Wirklichkeit nur eine nicht minder künstliche Buntschablone gegenüber und schöpft so eine künstliche Realität, die Thomas Spielmann durch Ölfarbe wiederum in eine neue, künstlerische Realität des Bildes überführt. Ausgangsmaterial für das Schaffen Spielmanns ist immer ein Foto, besser, die Entscheidung für ein bestimmtes Foto. Erst Mitte der achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts hat sich die Fotografie als Selbstverständlichkeit etabliert. Die Begriffe „Hohe Kunst der Fotografie" und „Normalfotografie" lösten sich auf. „Allerweltfotos" dienten als Inspirationsquellle für viele Künstler. Oft werden von Künstlern, zu ihnen gehört auch Thomas Spielmann, Merkmale der niederen Fotografie wie Falschfarbigkeit und Unschärfe bewusst aufgegriffen. Hohe und niedere Ästhetik, künstlerisch hochwertige eigene Fotos und die aus dem Reflex des Abdrückens resultierenden Fotos der (Milllionen)-Knipser, dieim Foto eine ganz eigenständige Realität als Ersatz für ihre authentische Wahrnehmung sehen, sind für Thomas Spielmann eine Welt, aus der er seine neue Bilderwelt schafft. Er eignet sich die vorgefundenen, von ihm bewusst ausgewählten Fotos an, vergrößert diese, übermalt bestimmmte Stellen und erfindet so neue Zusammnehänge. „Ich entferne alles, was einer inneren Logik widerspricht. Ich versuche das Grundlegende möglichst deutlich zu machen. Meine Methode des Freistellens scheint zunächst widersinnig, weil sie einerseits mit dem Abbild der Wirklichkeit arbeitet, aber durch die Übermalung die Homogenität der Alltagswahrnehmung durchbricht. Ich glaube aber, dass das Inhomogene, das durch Hervorheben zum Beispiel mit einer Farbschicht entsteht, unsereraktiven Wahrnehmung eher entspricht." Zum Foto als Ausgangsmaterial meint er: „Das Foto bildet den Kontext, aus dem heraus sich etwas entwickelt, nicht oder nur selten ab. Das Foto kann nur etwas zeigen, indem es alles andere (wirklich alles denkbar und undenkbar andere) nicht zeigt. Ich ordne einem festgehaltenen Einzelergebnis alles andere zu, indem ich zeige, was das Foto eben auch tut: nämlich allles andere nicht zu zeigen." Dass jedes Foto Vergangenes zeigt, ist eine Tatsache. Für Spielmann gibt es aber verschiedene Grade an Gehalt, an Inhalt, an Erzählung, von denen er glaubt, diese müsste man durch das Medium Farbe ins Jetzt retten. Mit den Malschichten gelingt es ihm, eine realere, dem Geschehen entsprechende Situation herzustellen. Ezra Pound und Thomas S. Eliot sprechen von „Schichten, Überlagerungen und Überschneidungen von images“. Hegel spricht von der „Aufhebung des Alten im Neuen“; Aufhebung in eben diesem doppelten Sinn, als Erfüllung und Beseitigung, Bewahrung und Vernichtung zugleich. An anderer Stelle sagt Hegel: „Das Neue, das Folgende muss in der Doppelheit von Bruch und Kontinuität gesehen werdenund zwar so, dass es das Alte, das Vorausgehende in sich aufnimmt und doch in seiner Zerstörung bewahrt." Spielmanns künstlerische Veränderungen sollen diese „unsichtbaren Überlagerungen" als eine weitere, jetzt aber sichtbare Überlagerung besiegen. Die oft auch mit Schablonen gewonnenen Farbschichten machen sein konzeptuellles Denken sichtbar. Am Ende steht immer eine „Neue Wirklichkeit", die sich, neben einem ersten sinnlichen Erlebnis im Kopf des Betrachters abspielt. Die Bilder von Thomas Spielmann sind voller Differenz. Jupp Eisele | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||