Beate Spalthoffgeb. 1957 in Paderborn | lebt und arbeitet in Berlin Förderpreis 1999 ![]() Ausbildung
Künstler wie Sarah Morris in England, Clay Ketter in Schweden oder Heidi Specker und Beate Spalthoff in Deutschland haben es in den letzten Jahren unternommen, aus der allgegenwärtigen funktionalistischen Architektur unserer Umwelt Funken zu schlagen: Betonfassaden, Neubauviertel, Sozialwohnungsgrundrisse, Baumarktmöbel oder Ikeaküchen geben den Anlaß zu methodischen, kritischen oder ironischen Untersuchungen per Video, Zeichnung, Fotografie, Malerei oder Skulptur. Anders als die Minimalisten der sechziger und siebziger Jahre geht es dieser Künstlergeneration nicht um die reine Form oder die Schönheit edler Materialien. Ihre Abstraktionen entstammen der Alltagswelt. Beate Spalthoff hat einen ausgesprochenen Blick für die formalen und absurden Qualitäten so profaner Dinge wie Wohnparks und Küchenzeilen. Nachdem Spalthoff sich Anfang der neunziger Jahre mit den Strukturen von Wohnungsgrundrissen und Architekturmodellen beschäftigte, entdeckte sie ihre Liebe zu Einbauküchen, die sie, ausgehend von Möbelprospekten, mit sparsamen, dünnen, kaum sichtbaren Bleistiftlinien auf dem Papier festhielt.Von der aufdringlichen Hochglanzästhetik dieser Küchenarrangements blieb nur ein sprödes Skelett.Reduziert auf den reinen Umriß,den das Papier nur bei näherer Betrachtung preisgab, bekamen diese Küchenzeilen plötzlich etwas Unwirkliches. Ein Zusammenhang mit real existierenden Räumen ließ sich nur von ferne erahnen, wenngleich die Proportionen und Details genau stimmten. Dann begann Beate Spalthoff Küchen auf Leinwand zu malen. Das dreiteilige Ensemble „Eckkombination“ von 1996 ist eine der ersten Arbeiten aus dieser Werkphase.Die verblüffende Anmutung von grauem Resopal erzielt Spalthoff durch ein additives malerisches Verfahren. Auf die grundierte Leinwand trägt sie sehr dünn Farbe auf, von dunklen und kräftigen Tönen ausgehend, Schicht für Schicht immer heller werdend, so daß den Bildern schließlich eine feine Struktur eignet,die zugleich sehr stofflich ist und den üblichen, kühlen Oberflächen der Küchenmöbel ähnelt. Auf diesen Bildern sind keine illusionistischen Räume zu sehen, sondern mit jedem Gemälde widmet Spalthoff sich einem Detail. Bild für Bild entstehen Schranktür und Schublade, Herdklappe und Hakenleiste, alles maßstabsgerecht. Selbst die berüchtigte Prilblume, die einst zur dekorativen Grundausstattung jeder Küche gehörte, ist mittlerweile Teil auch des Spalthoffschen Küchensystems. So entstanden die Bausteine für je nach Ausstellungsraum variable Küchenzeilen. Beate Spalthoff läßt es sich nicht nehmen, mit der Hängung dieser Bilder die Idee von der praktikablen, sich jedem Grundriß anpassenden Einbauküche ad absurdum zu führen, denn die räumlichen Dimensionen sind ganz und gar nicht nachzuvollziehen. Jedes einzelne Teil der Einbauküchenfront ist schließlich nur im Anschnitt gegeben, das heißt Türgeviert und Bildgeviert, sind nie deckungsgleich. Der Betrachter, einmal zwischen die Fronten von Bildoberfläche und Oberfläche als Bildmotiv geraten, mag noch so sehr versuchen, die Küche vor seinem geistigen Auge zu vervollständigen, er wird daran scheitern. Annelie Lütgens | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||