Olaf Quantiusgeb. 1971 in Bonn-Bad Godesberg | lebt und arbeitet in Berlin Förderprojekt 2003 ![]() Ausbildung
Schon oft wurde das Ende der Malerei verkündet. Doch wie aus Trotz, könnte man meinen, behauptet sie sich, und mit ihr junge Künstler wie Olaf Quantius. Die Vielfalt der bildnerischen Möglichkeiten hat bislang noch kein Medium aussterben lassen. Im Gegenteil: die digitalen Medien, allen voran das Internet, haben die Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit in neue Dimensionen geführt und damit auch die Möglichkeiten im Ausdruck von Malerei erweitert. Betrachtet man das malerische Werk von Olaf Quantius, so fällt auf, dass er zum einen ganz „Maler" im klassischen Sinne ist, der virtuos mit Farbe und Pinsel umzugehen weiß, er zum anderen allerdings eine fragend kalkulierende Distanz zum Funktionieren und zur Motiviertheit von gemalten Bildern wahrt. Eigenwillige Formen und Gebilde mit scharfen Kanten durchziehen seine Arbeiten. Schriftzeichen, Pinselspuren und Farbspritzer addieren sich zu optischen Ereignissen, während der Hintergrund mal unbearbeitet, mal monochrom bleibt oder aber den Blick in die inFarbverläufen angelegte Tiefe lenkt. Durchbrochen wird der Eindruck der Lokalfarbigkeit von sich bewegenden Gebilden, die aus der Tiefe an die Oberfläche zu dringen scheinen. Wir glauben diese schon in Fernsehbildern oder auf Computerbildschirmen gesehen zu haben. Einzig das Eigenleben des mit Nägeln an der Wand befestigten Baumwollgewebes verweist auf die physische Qualität des Gemalten. Exemplarisch für Quantius ́ Arbeiten beinhalten die Bilder „Seerosen“ und „Kartoffeln“ zwei Extreme, die sich gegenseitig bedingen und stellvertretend für eine polarisierte Situation stehen. Dazwischen befindet sich ein Vakuum, eine Lücke. Die Aufmerksamkeit ist auf das Sichtbarmachen von Randparametern oder den Raum „dazwischen“ gerichtet. Das äußert sich etwa in der Fragestellung: wo hört in einem Farbverlauf eine Farbe auf und wo beginnt die andere. Oder: wie viel Zuwendung benötigt ein Bildträger, ein Motiv, um mehr zu sein als nichts? Oder: wann erstarrt übermäßige Ausführung in affirmativeTautologie? Quantius versucht in seinen Arbeiten den Grenzraum zwischen Denken und Empfinden, zwischen Begrifflichkeit und Abstraktion auszuloten. Was liegt zwischen dem Gedanken und seiner Ausführung, was zwischen der Präsenz des Augenblicks und der gedanklichen Konstruktion desselben? Der Vergleich zu fotorealistischer Malweise drängt sich auf, in der der Blick des Betrachters mehr zu erkennen glaubt, als in Wirklichkeit dargestellt ist. Und doch geht es Olaf Quantius weniger um das Abbild, als um die Verkörperung dessen, was sich aus seinengemalten Flecken und Körpern entwickeln kann. Nicht umsonst formen sich die Elemente zu Bändern oder durchmessen als wuchtige Gebilde den Raum der Leinwände, einzig, um ihn zu durchbrechen, um sich weiter zu bewegen. In seinen Bildern eröffnet sich zumeist eine unendlich scheinende Tiefe aus chromatischen Farbverläufen, so als wolle er die durch den Keilrahmen gesetztenGrenzen der Gemälde nicht anerkennen. Ein sichtbarer Beweis zum einen für die Suche nach dem Unendlichen, zum anderen für die Konzentration auf die darin befindlichen Details und ihre Erscheinungsformen. Die gleichzeitige Präsenz von malerischer Pastosität und lasierender Feinheit der Oberflächen in Bildern von Quantius lässt an Inszenierung oder zumindest an Kalkulation von Malerei denken. Die Inszenierung währt aber nur so lange, wie der Plan für ein Bild, wie die Entscheidung, Farbe auf einen Träger aufzubringen, dauert. Im Moment des Pinselstrichs verselbständigt sich die Malerei und wird zu einem Prozess der Selbsterfindung. Es findet demnach eine Rückkoppelung statt. Das Gedachte und das faktisch Geschaffene bilden einen produktiven Wirbel, in dem vielleicht die menschlichen Fähigkeiten des Denkens und Liebens angesiedelt sind. Susanne Richter | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||