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Kunsthalle Ravensburg



Neuer Columbus-Förderpreis für aktuelle Kunst erstmals vergeben


Die in Stuttgart lebende Südtirolerin Gabriela Oberkofler ist die erste Preisträgerin des neuen Columbus-Förderpreises für aktuelle Kunst. Die Jury wählte die von Rainer Ganahl (Akademie der bildenden Künste Stuttgart) vorgeschlagene Künstlerin zum Abschluss der Shortlist-Ausstellung „+6|2010" aus den verbliebenen sechs Positionen. Der Columbus-Förderpreis ist mit 30.000,- Euro einer der höchstdotierten Förderpreise im Bereich der „jungen" Kunst in Deutschland. 



Gabriela Oberkofler | Buggelkraxen | 2010 | Installation unterwegs | Foto: Karl-Heinz Augustin

„Gabriela Oberkofler ... entstammt einer aktiven Bergbauernfamilie aus Südtirol, das sie vor Jahren für das Kunststudium verließ. Es war ihre freiwillige Entscheidung, die mit sehr alten ... Bräuchen und speziellen ästhetischen Vorgaben besetzte Heimat zu verlassen und sich zeitgenössischer Kunst in Stuttgart zu widmen. Sie ist auch nicht alleine, wenn sie sich entscheidet, ihre Herkunft und Traditionen im vorerst neutralen Kontext von urbaner internationaler Kunst zu thematisieren. Mit einer bunten Mischung aus Medien - Performance, Video, Fotografie, Zeichnung, Installationen und Objekten - schafft Oberkofler ein Werk, das zwischen ihrer heimatlichen Bergwelt und der reflektierten Logik heutiger geopolitischer Empfindlichkeiten zu vermitteln versucht. Südtiroler Bauernwitz trifft hier auf postmoderne konzeptuelle Strategien, ohne künstlerische Verantwortlichkeit abzuschütteln. Oberkoflers Spiel mit den hochalpinen Wurzeln muss ständig zwischen touristischem Kitsch, Volkskunst, outsider art, regionalem Marketing, persönlichen und kollektiven Erinnerungen und existentiellen Traumata verhandeln, was immer wieder aufs Neue spannend ist, obwohl weder eine Formel noch ein Stil die ertragbare Mischung für Erfolg garantiert.

Ihr jahrelanges Engagement mit den unterschiedlichsten Versatzstücken ihrer Herkunft beinhalten u. a. Installationen mit (Hühner)ställen und Vogelgräbern, das Überblenden mit Jodlermusikstars, das Spiel mit lokalen Anekdoten und Aberglauben. Hinzu kommen surreal anmutende Zeichnungen von Bergvieh, brennenden Ameisenhaufen und Vögeln, in denen Oberkofler sich mitunter selber spiegelt und inszeniert. Selbst das Ziehharmonikaspiel hat sie für ihre Performances langwierig erlernt. Mit den Buggelkraxenarbeiten öffnet sich die Künstlerin auch der Skulptur, ohne dabei auf Medienanschlussfähigkeit zu verzichten. An ihnen werden auch allgemeine künstlerische und philosophische Fragestellungen sichtbar...

Oberkofler schafft es, Heimat und Kunst trotz ihrer Bezugspunkte zur eigenen Kindheit unheimlich zu machen, ohne jedoch einer alpinen Heimatkunst zu verfallen. Das Geheimnis, das Gabriela Oberkofler mit sich rumschleppt, heißt zeitgenössische Kunst und muss wie die Ware der Wilderer mit Vorsicht genossen werden."

(Rainer Ganahl: Was Gabriela Oberkofler so alles mit sich rumschleppt! Aus: Jörg van den Berg (Hg.): +6|2010 - Shortlist Columbus-Förderpreis. Berlin (Revolver Publishing by VVV) 2010, S. 221 ff.)