Gabriele Baschgeb. 1964 in Bad Homburg | lebt und arbeitet in Berlin Förderprojekt 1999 > für weitere Werkansichten bitte ins Bild klicken Ausbildung Studium der Malerei an der „HdK Berlin“, bei Prof. Diehl Stipendien
Einzelausstellungen (Auswahl)
Gruppenausstellungen (Auswahl)
Ganz klar, die Arbeiten von Gabriele Basch sind niemals eindeutig. So war die erste Gewißheit, die sich beim Betrachten einstellte, ein dauerhaftes Unbehagen. Es kostet einige Zeit,zu begreifen,was vor sich geht. Augenscheinlich berichtet uns die Künstlerin von einer heilen Welt, doch beginnt der genaue Blick auf die vertrauten Dinge,dieser Sicherheit zu Leibe zu rücken.So kommt es dazu,daß sich ein befremdliches Gefühl einschleicht. Eine bohrende Ahnung von der borstigen Kehrseite dieser verspielten Reize. Das Werk der Künstlerin umfaßt Ölbilder, Papierschnitte,Tapeten, kleinformatige Gouachen und Aquarelle,allesamt entwickeln sie ein verwandtes Themenrepertoire, das von dem kulturellen Umfeld Gabriele Baschs genährt wird. Pop, Medien, Kultur und Werbung. Glückverheißende Sujets aus den Bereichen Familie, Urlaub, Er- holung oder Kindheit finden Einlaß in ihre Bildwelten. Dadurch, daß die Künstlerin deren glitzerndes Erscheinungsbild in den Medien durch Übersteigerung der Effekte stumpf poliert, konterkariert sie die Realitätsmodelle dieser Konsumwelt:Sie werden skelletiert und ausgehölt bis nichts als nackte Platzhalter einer himmlischen Voraussagung übrigbleiben. Das Bewußtsein, daß alles Natürliche, an erster Stelle die Natur selbst, ansich schon künstlich ist, soll transzendiert werden. So senden Gabriele Baschs Werke immaterielle Reize aus, die so etwas wie eine Existenz im Einklang mit der Natur weit von sich weisen. Inhaltlich nisten sie sich in eine Realität zweiten und dritten Grades ein. So gesehen auf einer Metaebene zwischen Wirklichkeit und Abstraktion. Bei der Serie großformatiger Blumenbilder beispielsweise ist offensichtlich noch alles in bester Ordnung. Ihr Titel, „Um Himmels Willen“ (1997/1998), deutet auf doppelbödiges Terrain hin. Wie in einem wildwüchsigen Garten paaren sich dort ungeniert die widersprüchlichsten Dinge. Blumen, die absolut unecht aussehen, starren auf den Betrachter, erhalten durch ihre formale Anordnung im Bild lebendige Züge. Im Gegensatz dazu wird die Lebendigkeit des Gartens durch die artifizielle Farbigkeit und einem alles überstrahlenden Kunstlicht getilgt.Viele Stellen sind mit Schatten überlagert oder verschwimmen durch Unschärfen, – ein distanzierter Blick, den man sonst von fotografischen Schnappschüssen kennt. Dieser Verweis auf die durch die tägliche Medienüberflutung geprägte Sicht ist nebenbei auch ein typisches Kennzeichen für die Arbeitsweise der Künstlerin. Als Vorlage dienen selbst-produzierte Fotos, die sie im Bild teils übernimmt, teils durch ihre persönliche Handschrift verändert. Malerisch moduliert Gabriele Basch den Eindruck einer übersteigerten Natur. Diese widerspenstige Angelegenheit wird durch den flächigen Hintergrund verstärkt, denn dort wo eigentlich Sonne, Erde oder ein Himmel vermutet wird, öffnet sich ein eindimensionaler toter Raum, vor dessen tumber Flächigkeit das kultivierte, plastisch dargestellte Gestrüpp im Vordergrund eine abstrakte Dimension erlangt. Bei einer früheren Serie der Künstlerin attakiert sie süße „Hoffnungsträger“ (1994-1996) der Werbewelt. Mit den unschuldigen Reklame-Babys bestückt Gabriele Basch ihre Bilder. Sie entführt die kleinen Imageträger von Zwieback- oder Griesbrei-Verpackungen, löst sie aus ihrem Kontext und konfrontiert sie mit fremden Zeichen, Logos und Codes. Sukzessive entsteht ein irritierender Sprachteppich, eine semantische Verkettung unterschiedlicher Ausdrücke. Ihr eigenes Erinnerungsvokabular verbindet Basch mit den Zeichen ihrer Umwelt, so daß sich die gewohnten Zusammenhänge Stück für Stück in einer ornamentalen Endlosschleife auflösen.Die einzelnen Elemente bleiben dabei lesbar, denn Gabriele Basch möchte nicht auf deren Bedeutung verzichten, vielmehr werden die Zeichen der Werbe- und Warenwelt auf ihren ursprünglichen Bildgehalt rückgeführt und neu lesbar, so daß sich eine Zeichenverschiebung beobachten läßt. Hinzu kommt eine farbliche Übersteigerung der niedlichen Sympathieträger durch einen pastelligen, homogenen Farbauftrag. Bei den Papierschitten „Sugar Version II“ (1998), überzeichnet Gabriele Basch eine allzu wunderschöne Bergwelt: blühende Wiesen,wildrauschende Bächlein und nostalgische Almhütten werden inszeniert. Die Motive stammen aus einer Postkartensammlung der Künstlerin. Durch das giftig-fluoreszierende Grün, welches von der Rückseite der Arbeiten als Lichtfarbe auf die Wand abstrahlt, wird diese paradiesische Natur gestört. Hinter der schönen Komplexität der Schnitte verbirgt sich ein gewisses Maß an Irritation, denn man gleitet von deren Schönheit immer wieder ab. Überall sind Hinweise gestreut, nicht zu leichtgläubig zuzugreifen. So zielt die Schmetterling-Bordüre z.B. darauf ab, diese Idylle ironisch zu schmücken. Eine ornamentale Persiflage, die nebenbei an Häkeltischdecken von Großmutter denken läßt. An anderer Stelle hat die Künstlerin, .... viele, viele bunte „Smarties“ (1997/1998) ins Kleinformat gepreßt. Für eine Serie aus 60 Bildern rief sie ihre persönlichen Kindheitserinnerungen wach und portraitierte das eigene Spielzeug. Die Lieblingspuppe mutiert zum fiesen Monstermädchen, – eine brutale Spielkameradin. Abfotografiert und ins Bild transformiert sprengen die „Smarties“, die auch eine liebevolle Seite darstellen,im wörtlichen Sinne das Format. Mit dieser Serie schlägt Gabriele Basch den Bogen wischen kollektiver Geschichte und persönlicher Erinnerung, die beiden Komponenten, die für sie unweigerlich zusammengehören, um den Dingen überhaupt mißtrauen zu können. Was war das noch gleich, eine friedliche Welt? Sandra Prill | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||