Kathrin Ahltgeb. 1976 Augsburg | lebt und arbeitet in Düsseldorf Förderprojekt 2001 ![]() Ausbildung
Zweckgebundene Architekturen und die inneren Strukturen und Ausprägungen stehen im Mittelpunkt zweier Serien von Kathrin Ahlt. Dokumentarisch nähert sie sich Orten der Freizeitbeschäftigung an: Freizeitparks und Schwimmbäder. Ihre Bilder zeigen diese Orte, die man sich normalerweise von Menschen bevölkert vorstellt, ohne Besucher, leer und abgenutzt. Sie blenden die Menschen aus, und der Blick wird hinter die Fassaden der bunten Freizeitindustrie auf die internen Strukturen der Orte hingelenkt. Scheinen die Aufnahmen der Freizeitparks die spielerischen Komponenten des Freizeitvergnügens herauszukehren, so zeigen die Schwimmbäder eine fast gespenstisch wirkende, brachliegende Zweckarchitektur. Die von Kathrin Ahlt ausgewählten Orte sind verlassen, sich selbst überlassen und zeigen sich so als absurde, funktionslose „Architekturen“. Die bunten Aufbauten, die erdacht wurden, um den Besuchern Spaß und vor allem Spannung und Nervenkitzel zu bieten, breiten sich nutzlos vor dem Betrachter aus. Sie machen keinen Sinn, da das wichtigste an ihnen, der Besucher, fehlt. Obwohl ihre hervorstechenden Eigenschaften technischer Natur sind, sie reine Produkte der Ingenieurstechnik darstellen, zeigt sich an ihnen doch der Wunsch der Erbauer, organische Formen hineinzunehmen. In die Achterbahnlandschaft werden Kunststoffpalmen integriert, das Karussell erhält Beleuchtungskörper, deren Form an Bäume erinnert. Alles an ihnen scheint auf Spaß und Vergnügen ausgerichtet zu sein. Ohne Menschen wirken diese Freizeitparks wie Spielzeuglandschaften. Jedes menschliche Maß fehlt, das Auge des Betrachters kann sich von den Funktionen der Fahrgestelle lösen und sich ganz auf deren Struktur konzentrieren. In Kathrin Ahlts neuester Serie tritt der Mensch in den Mittelpunkt des Interesses. Er wird aber gleichzeitig in den Hintergrund gerückt. Im Botanischen Garten in Singapur, der ein beliebtes Ziel von Brautpaaren ist, um dort ihr Hochzeitsfoto erstellen zu lassen, hat sie diese Ereignisse aus großer Distanz festgehalten. Es geht ihr nicht um „das Hochzeitsfoto“, sondern um das Ritual seiner Entstehung. Einem Detektiv oder Voyeur ähnlich, verfolgt sie die Suche nach dem optimalen Brautporträt, das die agierenden Personen – Brautpaar und Fotograf – im Park zu inszenieren versuchen. Im Gegensatz zu Michelangelo Antonioni ́s Film „Blow Up“ , in dem ein Fotograf einen vermuteten Mord durch immer größere Ausschnittsvergrößerungen zu klären, bzw. zu zeigen versucht, dabei aber an dem immer unschärfer, körniger werdenden Bild scheitert, inszeniert sie ihre Aufnahmen von vornherein unscharf. Anstatt sich dem Ergebnis der Suche anzunähern und den gleichen Standort des Hochzeitsfotografen einzunehmen, entfernt sie sich von ihm.Kathrin Ahlts Bilder zeigen eine fremde, immer unwirklicher werdende Perspektive, so als ob sie die absurde, voller Klischees steckende Bildgattung „Hochzeitsfoto“ durch einen Schleier verhüllen möchte. Ihre Bilder wirken dadurch merkwürdig distanziert und malerisch entrückt. Thomas Ruff | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||