Columbus Art Foundation hat zwischen 2005 und 2008 insgesamt vier größere Ausstellungen für die HSH Nordbank AG entwickelt und im zentralen Konferenzzentrum der Bank (unmittelbar gegenüber dem Thalia-Theater in der Hamburger Innenstadt) realisiert. In einem Turnus von ca. 8 Monaten wurden dort die nachstehenden Ausstellungen gezeigt.
www.hsh-nordbank.de
Blue Chips - Hofmann, Lee, Wardin
September 07 bis März 08
›Blue Chips‹ ist der Titel für die vierte Präsentation aus der Sammlung von Columbus Art Foundation, die im Konferenzzentrum der HSH-Nordbank in Hamburg gezeigt wird. Nach den überblicks- und themenbezogenen Ausstellungsformaten der Trilogie ›Kunst in Konferenz‹, die sich jeweils mit einem künstlerischen Medium beschäftigten (›Just Painting‹, ›Just Foto‹ und ›Just Paper‹), konzentriert sich ›Blue Chips‹ nun auf drei künstlerische Positionen: Dorothee Hofmann, So-Yeun Lee und Roger Wardin wurden alle 2005 in das Förderprojekt von Columbus Art Foundation aufgenommen. Dieses seit nunmehr 11 Jahren laufende und im vergangenen Jahr mit dem ›1. Deutschen Kulturförderpreis‹ durch den BDI ausgezeichnete Projekt hat die Förderung von Künstlerinnen und Künstlern an der Schnittstelle von Akademieausbildung und Betriebssystem Kunst zum Ziel. Am Beginn dieser Förderung steht zumeist ein umfangreicherer Ankauf, was zur Folge hat, dass die Sammlung Columbus mittlerweile etwa 500 Werke besitzt. Aus diesem Bestand stammen auch die hier gezeigten Werke von So-Yeun Lee und Roger Wardin. Die Arbeiten von Dorothee Hofmann hingegen gehören nur zum Teil Columbus, weil sie überwiegend ganz neu für Hamburg entstanden sind und direkt aus Los Angeles geschickt wurden, wo Hofmann seit zwei Jahren ihr Atelier hat. Dass ihre Werke nicht aus dem Columbus-Bestand stammen, schuldet sich der Tatsache, dass kurz nach ihrem Umzug in die Staaten ihr Atelier mitsamt aller darin befindlichen Werke abgebrannt ist. Somit steht der Besucher in Hamburg vor der ersten umfangreicheren Präsentation neuer und erneut gemachter Werke in Europa nach dem Atelierbrand.
›Blue Chips‹ funktioniert zunächst wie eine Addition von drei komprimierten Einzelausstellungen zu den drei künstlerischen Positionen, d.h. alle drei Werke stehen für sich und vermitteln dem Betrachter einen Einblick in die jeweils aktuelle Produktion. In einer zweiten Hinsicht aber gibt es sehr wohl auch eine Ebene, die die drei so unterschiedlichen Werke miteinander in Verbindung bringt. So verschieden die künstlerischen Ansätze sind, so sehr markiert jeder für sich einen Punkt im aktuellen Zeitgeist.
Am augenfälligsten scheint dies in den Werken von Dorothee Hofmann der Fall zu sein. Ihre Bildwelten entstammen einer präzisen Auseinandersetzung mit einem unserer kulturbestimmenden Massenphänomenen, nämlich der Glamourwelt Hollywood, der Mode- und Werbeindustrie. Ihre hochästhetischen Frottagen, Collagen und Gemälde greifen auf diese hyperpräsenten, uns nur zu gut bekannten und von uns zu vorschnell adaptierten Bildwelten von Medien, Mode und Konsum. Die sich hierin findende und aufbauende Idealität eines letztlich menschenverachtenden Körperkultes wird in den Arbeiten von Hofmann gespiegelt und gebrochen. „Vertraut mit den Strategien perfekter Bildregie, unterwandert Dorothee Hofmann die obsessive Fixierung auf plakative Vollkommenheit. Sie setzt in ihren Arbeiten bekannte Bildelemente (Lippenstifte, Models) und Symbole (Kreuz, Perle) in groteske Zusammenhänge, erzeugt widersprüchliche Begegnungen und absurde Konstellationen, die den allgegenwärtigen Pop-Ikonen-Konsum-Kult auf die Spitze treiben und darin zugleich seinen ermüdenden Charakter vor Augen führen...“ (Dorothee Hoefert)
Während Dorothee Hofmann in ihren Arbeiten hinter der Öberflächlichkeit eines öffentlich-medial propagierten Menschenbildes verschwindet, scheinen die Arbeiten der Koreanerin So-Yeun Lee die Künstlerin selbst in geradezu penetranter Weise in den Vordergrund zu rücken. Seit 1999, also seit dem Jahr, in dem Lee nach Deutschland gekommen ist (sie lebt und arbeitet in Münster) malt sich die Künstlerin ausschließlich selbst. In ›Blue Chips‹ begegnet der Betrachter folgerichtig fünf Selbstbildnissen: dem Selbstbildnis auf schwarzem Stuhl, dem Selbstbildnis mit Unterkleid, dem Selbstbildnis mit Yellowshortskirt, dem Selbstbildnis mit Barbiepuppe sowie dem Selbstbildnis mit Sonnenbrille; alle Bilder stammen aus den Jahren 2004 bzw. 2005. Immer sieht man die eine junge Frau, nie eine zweite Person. Das scheint zur logischen Folge zu haben, dass sich der Betrachter ausschließlich auf diese Person konzentriert. Allerdings kommt eine merkwürdige Irritation sehr schnell in Gang, denn das asiatische, immer gleich geschminkte Gesicht scheint sich kaum zu verändern, altert ebenso wenig wie der Körper. Die perfekte Malerei bietet zudem keine Tiefe an, bleibt ganz an einer über die Maßen glatten Oberfläche. Dagegen verändern sich die Bühnen, die Kontexte, die Dinge, mit denen So-Yeun Lee in den Bildern erscheint. Kaum einmal tut sich ein Tiefenraum auf, was die Bilder uns umsomehr entgegenrückt. Immer allein steht, sitzt, hockt Lee uns gegenüber. Die anderen Stühle bleiben leer, Räume, in denen die Figur aufgehoben würde, werden nicht gezeigt. Stattdessen sehen wir hippe, durchgestylte Kleidung, fröhliche Stoffmuster, weltbekannte Labels, lolitahafte Haltungen, Scheinwelten. Sehr schnell wird klar, das wir es hier keineswegs mit einem exhibitionistischen oder egomanischen Konzept zu tun haben. Denn in dem Maße wie sich So-Yeun Lee uns gegenüber zu exponieren scheint, in dem gleichen Maße verbergen und verstellen die Bilder auch den Blick in ein Inneres, verschließen sie sich an einer hermetischen Oberfläche.
Ganz anders die Malerei von Roger Wardin. Hier scheinen sich die dargestellten Dinge von innen her aufzulösen. In Wardins Bildern „ ... brechen Oberflächen, verweben sich lineare Strukturen mit gleitenden Flächen, abbildende mit gegenstandslosen Elementen ...“ Wardin ist ein Bildersammler, der dabei ebenso intensiv wie Dorothee Hofmann auf das allseits bekannte mediale Bilderlager zurückgreift, inklusive der medial weiterlebenden Geschichtsbilder. Bei Wardin allerdings reduziert sich der Glamour auf die ewig leuchtende 24Stunden-Tanke, die mehreren der in ›Blue Chips‹ gezeigten Arbeiten eine aralblaue Farbigkeit leiht. Wardins Bildwelten verdanken sich nicht der kalifornischen Sonne über rotem Teppich, sondern eher den Neonröhren der Stadt, die die Rückseiten dieser Stadt noch dunkler erscheinen lassen. „ Jeder Anlass für ein Bild wird schließlich dem Bildgeschehen selbst ausgeliefert. Diese Malerei behandelt aufbewahrte Bilder und blendet dabei verschiedene Ebenen des Erinnerns ineinander. Roger Wardins meist fotografische Vorlagen werden in ihrer malerischen Übersetzung von einer bestimmten Subjektitvität in eine andere übertragen; in gleichem Maße hebt sich die Unterscheidbarkeit persönlicher und kollektiver Erinnerungen darin auf.“ (Bettina Carl)
Just Paper!
Februar bis August 07
Seit fast einem Jahr nun haben sich Mitarbeiter und Kunden der HSH
Nordbank auf ein Miteinander von Kunst und Arbeitswelt eingelassen. In
der von Columbus Art Foundation verantworteten Ausstellungstrilogie
„Kunst in Konferenz“ läuft nun der dritte Teil dieses Experiments. Nach
den Gattungen Malerei Just Painting! und Fotografie Just Foto! folgt
jetzt die Präsentation Just Paper!, die eigentlich Just Drawing! Hätte
heißen müssen, den in ihrem Zentrum steht die Zeichnung. Entgegen den
ersten beiden Präsentationen wird dabei dem Betrachter die
Überschreitung der klassischen Gattungsgrenze immer wieder begegnen. Im
strengen Sinne nämlich wären z.B. die Arbeit von Wolfgang Flad eher der
Skulptur, die Werke von Marcus Sendlinger eher der Collage und die
Arbeit von Daniele Buetti eher der Fotografie zuzurechnen.
Zeichnen ist für mich eine Art des Denkens. (Joseph Beuys)Zeichnen
ist die Urform bildnerischer Äußerung des Menschen. Dabei muss man
nicht notwendigerweise in die Höhlen von Lascaux hinabsteigen, um die
Felszeichnungen der Frühzeit zu entdecken, sondern man könnte sich auch
herunter beugen
und der Zweijährigen über die Schultern schauen, bei den ersten Versuchen ihre Bildwelten auf ein weißes Blatt zu zaubern.
Als
Erwachsene reduzieren die einen ihr zeichnerisches Tun auf
Powerpoint-gestützte Diagramme oder schlicht das Ausfüllen der O’s
während des Telefonierens, während die anderen in der Toskana
Olivenbäume und Landschaftsausschnitte zeichnen.
Für einen nicht
unerheblichen Teil der Erwachsenen wird „Zeichnen zu einer Art Denken“.
Ideen finden als Bilder den Weg aufs Papier und dann erst in die
textliche Fassung. Bei vielen Künstlern bleibt das Zeichnen lebenslang
der unmittelbarste Ausdruck ihrer Ideen, das nachhaltigste
Experimentierfeld für ihre Neuerfindungen.
Vertretene Künstlerinnen und Künstler:
Frank
Ahlgrimm | Jörg Baier | Gabriele Basch | Matthias Beckmann | Dabiele
Buetti | Michael von Ehrlenbach | Wolfgang Flad, Myriam Holme | Claudia
Hummel | Svenja Kreh | Judith Schwinn | Nada Sebestyén | Marcus
Sendlinger | Alex Tennigkeit | Florian Tiedje | Kerstin Wagener
Just Foto!
Mai 06 bis Januar 07
Die
zweite Ausstellung, die innerhalb der Kooperation zwischen der HSH
Nordbank AG und Columbus Art Foundation widmet sich der Fotografie.
Ekstatische
Augenblicke und nüchterne Bestandsaufnahme – konstruierte Wirklichkeit
und Rollenspiele. Das Medium der Fotografie hat unser Sehen, unser
Erlebnen der Welt, von Grund auf verändert. Zunächst galt die
Fotografie als objektives Medium, um einen Augenblick fest zu halten
und stellte der Malerei, als vermeintlich rein subjektivem Prozess eine
neue Art der visuellen Kommunikation gegenüber. Künstler begannen
schnell, mit diesem „dritten Auge“ zu experimentieren und die
Fotografie entwickelte ihre Eigenständigkeit. Spätestens mit dem
Eintritt in das Computerzeitalter und den Möglichkeiten der technischen
Bildbearbeitung veränderte sich das Medium radikal.
In der
Ausstellung sind die verschiedensten Aspekte beleuchtet, die Künstler
zum Gegenstand ihrer Arbeit machen. Lois Renner z.B. führt uns in eine
konstruierte Welt, bei der Bezugspunkte im Raum und Größen völlig
aufgelöst werden und der Betrachter sich in einen imaginären, aber
scheinbar doch vertrauten Raum begibt. Nada Sebestyén bewegt sich
zwischen dokumentarischer Fotografie und imaginären Raumvorstellungen.
Die auf Reisen fotografierten Häuser und Landschaften fügt sie
collageartig zu einer utopischen Szenerie zusammen. Astrid Herrmann
manipuliert Landschaftsaufnahmen und fügt sie mit Szenen aus
Fernsehserien zusammen und schafft so eine weitere „Wirklichkeit“. Die
handwerkliche Ausrüstung, die Kamera, wird von Ingo Gerckens so
verändert, dass es ihm gelingt, nicht nur einen Augenblick
festzuhalten, sondern mehrere Momente. Ähnlich einer Filmsequenz
entstehen Bewegungsaufnahmen, die durch ihren narrativen Charakter den
Betrachter in den Bann ziehen.
Vertretene Künstlerinnen und Künstler:
Kathrin
Ahlt | Daniele Buetti | Christine Erhard | Ingo Gerckens | Astrid
Herrmann | Claudia Hummel | Lois Renner | Albrecht Schäfer | Nada
Sebestyén | Florian Tiedje | Kerstin Wagener | Hubert Weiland
Just Painting!
September 05 bis April 06
Just Painting! lautete der Titel der ersten Ausstellung. Die Frage danach, was ein gemaltes Bild in Konkurrenz
zu
uns täglich umgebenden Bildwelten zu leisten vermag, wird zum Thema.
Die Vielfalt verschiedenster Positionen aus der Sammlung Columbus
ermöglicht eine spannende Zusammenstellung, die ausschließlich Malerei
umfasst.
Zurück zur Malerei. Diese Feststellung, von Fachkreisen
häufig diskutiert, kann auf die zeitgenössische künstlerische
Produktion in Deutschland in den letzten Jahren angewendet werden. Die
Erklärungen für dieses Phänomen sind vielschichtig: mit der Malerei als
Medium werden bestimmte Werte assoziiert wie Singularität, eine
subjektive Handschrift und die Referenz auf historische Positionen.
Gerade in einer Gesellschaft, die immer stärker zu einer Objektivierung
neigt, ist dies eine Haltung, die sympathisch erscheint. Auch innerhalb
des künstlerischen Diskurses nimmt die Malerei und die Analyse, was die
Malerei nach der Konzeptkunst formal noch bedeuten kann, eine zentrale
Stellung ein.
Vertretene Künstlerinnen und Künstler:
Frank
Ahlgrimm | Gabriele Basch | Isa Dahl | Wolfgang Flad | Myriam Holme |
Barbara Kruttke | Olaf Quantius | Marcus Sendlinger | Beate Spalthoff |
Thomas Spielmann | Alex Tennigkeit | Klaus-Martin Treder | Kerstin
Wagener | Julia Ziegler
KontaktHSH Nordbank AG
Gerhart-Hauptmann-Platz 50
20095 Hamburg
Weitere Informationen zum Ausstellungsprojekt erhalten Sie von:
HSH Nordbank AG,
Barbara Kuhls, HSH N FM+S HOLDING, T +49 40 333312858
Columbus Art Foundation,
Jörg van den Berg, T +49 751 36344-318