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> für einen Blick in die Ausstellung, bitte ins Bild klicken. (Foto: Denis Bury)





mit Werken von

Jörg Baier / Gabriele Basch
/ Annett Bienhaus /
Wolfgang Flad / Myriam Holme / Nada Sebestyén



Station1

Columbus Art Foundation / Halle 14, Spinnerei Leipzig
Eröffnung: Samstag, 1. Mai 2010, Frühjahrsrundgang Spinnerei Leipzig
Ausstellungsdauer: 1. Mai – 13. Juni 2010
 
Station 2
Columbus Art Foundation / Ravensburg
Eröffnung: Donnerstag, 15. Juli 2010
Ausstellungsdauer: 16. Juli – Sept 2010
 
 
Die Ausstellung ›schrägterrain‹ führt sechs zunächst sehr unterschiedliche Positionen zusammen, die sich alle in mehr oder weniger direkter Weise mit den Themenfeldern Natur und/oder Landschaft beschäftigen. Bei aller teilweise irritierenden Schönheit in den materialen und formalen Lösungen der einzelnen künstlerischen Strategien dominieren die sich oftmals ins Artifizielle steigernden Brechungen. Idylle wird man ebenso vergebens suchen, wie Explikationen aus den großen Feldern tagespolitischer Debatten wie Umwelt- oder Klimaschutz. Stattdessen finden sich Bildwelten, die häufig auf der Grenze zu einer übersteigerten Künstlichkeit operieren und auf diesem Wege Erinnerungen außerbildlicher Realitäten unterlaufen. Andere Werke bewegen sich sehr bewusst auf einer Schnittstelle zwischen Kunst und Kunsthandwerk, greifen traditionelle Produktionstechniken wie das Glasblasen auf oder nutzen Ergebnisse noch junger Wissenschaftsfelder wie der Bionik. Alle sechs Positionen öffnen unter den Bedingungen der Kunst neue Hinsichten auf unsere Bilder von Natur.

Jörg Baier. „behandelt die Zeichnung durchaus als ein sperriges Medium, das sich einer oberflächlichen Rezeption entzieht. Das Resultat seiner Verunklärung der Räume ist eine dezidierte Künstlichkeit, die noch weiter betont wird durch auffällige (teils an Max Ernst erinnernde) Frottage-Texturen und bewusst eingesetzte Unregelmäßigkeiten in der Strichführung, vor allem aber durch eine Farbskala, die sich weit von den „natürlichen“ Lokalfarben entfernt. ... Der Künstler trifft auf verschiedenen Ebenen Vorsorge gegen die Entstehung eines einheitlichen, glatten Illusionsbildes. ... Jörg Baiers Ein-Bildungen vorgängiger Landschaftsmotive ... führen vor, wie sich im Landschaftserlebnis erinnerte (Nach)Bilder und auf der Realität gründende (Vorstellungs)Bilder zu einer komplexen Imagination des Gesehenen verschränken.“ (Fritz Emslander)
 
Gabriele Basch. „Ganz klar, die Arbeiten von Gabriele Basch sind niemals eindeutig. ... Das Bewusstsein, dass alles Natürliche, an erster Stelle die Natur selbst, an sich schon künstlich ist, soll transzendiert werden. So senden Gabriele Baschs Werke immaterielle Reize aus, die so etwas wie eine Existenz im Einklang mit der Natur weit von sich weisen. Inhaltlich nisten sie sich in eine Realität zweiten und dritten Grades ein. So gesehen auf einer Metaebene zwischen Wirklichkeit und Abstraktion. ... Malerisch moduliert Gabriele Basch den Eindruck einer übersteigerten Natur. ... Ihr eigenes Erinnerungsvokabular verbindet Basch mit den Zeichen ihrer Umwelt, so dass sich die gewohnten Zusammenhänge Stück für Stück in einer ornamentalen Endlosschleife auflösen. ... Was war das noch gleich, eine friedliche Welt?“ (Sandra Prill)
 
Annett Bienhaus. „›Überall ist Wunderland‹, weshalb der Blick von Annett Bienhaus auch nicht in exotische Fernen schweifen muss. Ihre Bildwelten findet sie quasi vor der eigenen Haustür, vor allem im europäischen Kunstmuseum und mehr noch in der einheimischen Flora und Fauna. Die Tiere in Bienhaus’ Bildern sind eben keine Exoten, sondern eher unaufregende einheimische Arten – zumeist nicht mal bedroht. Selbst eine symbolhafte, kulturgeschichtliche Aufladung kommt eher selten ins Spiel. Das macht diese Bildwelten nicht weniger verwunderlich, ganz im Gegenteil. ... Bienhaus’ Malerei aber entwirft keine einheitliche idyllische Welt“, sondern sucht „nicht nur bei den Motiven, sondern auch in der Malerei nach Brüchen und Kontrasten. In diesen Brüchen verlieren sich vorgewusste Sinnzusammenhänge zwischen den so leicht wieder erkannten Dingen. Die so entstehenden Offenheiten gilt es auszuhalten.“ (Jörg van den Berg)
 
Wolfgang Flad. Die aus bemaltem Holz und Pappmaché gefertigten Skulpturen von Wolfgang Flad, deren blockhaftes Volumen in einem aufwändigen Bearbeitungsprozess durch Schleifen bis auf ein skelettartiges Gerüst ausgehöhlt wird, überführen formale Gegensätze wie hell und dunkel, leicht und schwer oder fragil und stabil in eine spannungsreiche Balance. Wie sich selbst in einer bearbeiteten Form die ursprüngliche Gestalt eines Körpers ablesen lässt, interessiert den Künstler dabei auf einer formalen Ebene ebenso sehr wie die hervorgebrachten ästhetischen Qualitäten der in den von ihm benutzten Materialien eingeschriebenen Strukturen. Referenzen zur Kunstgeschichte ... werden dabei von Wolfgang Flad bewusst herbeigeführt und mit Einflüssen aus dem Bereich des Designs, der Architektur und der Bionik verschmolzen. Im Reflex auf den aktuellen Diskurs der Bionik ... können die komplexen Skulpturen Wolfgang Flads sowohl als Umsetzung (bio)chemischer Modelle wie auch als Neuinterpretation verschiedener Formexperimente der 50er Jahre verstanden werden. (Philipp Ziegler)

Myriam Holme. „Der Zustand der Dinge in Myriam Holmes Collagen und Installationen, in ihren Arbeiten auf Holz und Papier, auf Aluminium und Stoff gleicht einem in sich verwobenen Zusammenspiel von Farben und Formen, Materialien und Bezügen, das der Erfahrung des Wirrsals einen Raum der Sinne bietet. ... Auch wenn man die Arbeiten von Myriam Holme nicht berührt, so spielen doch die taktilen Eigenschaften der Materialien oder der lautmalerische Klang des Titels eine ebenso wichtige Rolle wie das Visuelle des Formalen. ... Es ist diese Offenheit, das nicht konkret Benennbare, was den Arbeiten von Myriam Holme ihren mythischen, rätselhaften Charakter verleiht. ... Offen bleibt die Bedeutung der Materialien, offen der Verweis, den uns der Titel verspricht. ... Die Möglichkeit, mit allen Sinnen in etwas zu sein, die Michel Serres in seiner Philosophie der Gemische und Gemenge beschreibt, scheint dabei die Voraussetzung für ein Verständnis der Arbeiten von Myriam Holme zu sein.“ (Philipp Ziegler)
 
Nada Sebestyen. „ Wohnräume, Behausungen und die Frage nach dem Verhältnis von Heimat und Fremde sind im Werk von Nada Sebestyén seit jeher wichtige Koordinaten. Während die traditionellen bildhauerischen Arbeiten aus den Jahren 1991 bis 1997 einem imaginären Bewohner ihrer  Kunsträume gewidmet waren, stehen seit ihrem Aufenthalt in New York (1998) textile Materialien und die Herstellung von Kleidung im Zentrum ihrer künstlerischen Arbeit. Die Moving Clothes sind aus amerikanischen Umzugsdecken hergestellt, die von Umzugsunternehmen benutzt werden, um die Möbel beim Transport zu schützen. ... Daraus entstehen Mäntel, Capes, Röcke, Hosen und Umhänge, die unterschiedliche Gestaltungsprinzipien aus den Bereichen Mode, Design und Kunst aufgreifen und miteinander verknüpfen. Während eines Arbeitsstipendiums in Istanbul (2000) entstehen die [ersten] Fotocollagen der Serie Neubau, die als Entwürfe für bewohnbare Strukturen in erdachten Landschaften zu verstehen sind. Häuser, Hütten und Unterstände stehen in Gegenden, die aus Ägypten, Kreta und Brandenburg montiert sind; in denen immer wieder Gebirge, Wüste und Wasser auftauchen. ... Das collagenhaft Erbastelte dieser temporären Bauten, die immer wieder erweitert und schließlich zu soliden Häusern wurden, ist Thema und zugleich künstlerisches Arbeitsprinzip im Werk von Sebestyén. ... Das Nomadentum ist eine mobile, auf Wanderschaft basierende Lebens- und Wirtschaftsweise, die das Wohnen nicht kennt. Unterwegs zu sein ist auch die Verfassung des Migranten; eine Haltung, für die Nada Sebstyén sich interessiert und eine Situation, der sie sich immer wieder aussetzt... Sie möchte überall sein können, nicht nirgendwo zu hause sein.“ (Markus Lepper)