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BRETZ/HOLLIGER
DIE INKLUSIONSMASCHINE


Eröffnung: Freitag, den 5. Oktober 2012 | 19 Uhr

Ausstellungsdauer: 8. Oktober bis 14. Dezember 2012
Ort: Kunsthalle Ravensburg | Eywiesenstraße 6 | 88212 Ravensburg


In den wunderbar abstrusen Installationen von Bernhard Bretz und Matthias Holliger muss sich der Blick auf die Wirklichkeit neu einstellen. Man kann einem Astronauten begegnen, der in einer Kaffeetasse auf dem Tisch auftaucht und sich im Cockpit auf seinen Start vorbereitet. In einem Sprossenfenster an der dahinter liegenden Wand sieht man eine Stadt, aus der seine (?) Rakete aufsteigt. Vielfach sind ihre Arbeiten raumgreifend, nehmen den Besucher in sich auf. So im ›Selbstportrait mit Bagger und Haus‹, in dem sich skulpturale Selbstbildnisse der beiden Künstler, eingefügt in ein Abrisshaus-Modell, dass sich in einem kreisrunden Lampenschirm dreht, mit den Gesichtern der Betrachter auf einer Grossleinwand durchkreuzen. So komplex diese Konstruktionen zum Teil auch sind, so unmittelbar ziehen sie den Betrachter in ihr Spiel hinein. Die Rollen von Produzent und Rezipient verschränken sich, wollen neu sortiert werden. Es sind ebenso spielerisch freie wie konzeptuell feste Szenarien, die den Betrachter auf zeitgemäße Weise mit der Idee vom Gesamtkunstwerk konfrontieren. High- und Low-Tech, edles und poveres, winzig kleines und überdimensioniertes, malerisches und skulpturales, klangliches und textliches Material treffen aufeinander und gehen eine souveräne Liaison ein. „Ihre raumgreifenden Installationen machen Räume und Gebäude zu Erfahrungszonen ganz eigener Dimension, in denen sich alltägliche Funktionen eigenwillig brechen. ... Bei den Installationen ... handelt es sich stets um assoziativ versponnene Räume, in denen sich unterschiedliche Realitäts– und Zeitebenen aufzulösen beginnen.“ (Konrad Bitterli) Speziell die räumliche Verortung, aber auch die physische Relationierung des Betrachters zu seiner Umgebung werden durchbrochen, indem Proportions- und Maßstabsverschiebungen die gewohnten Koordinaten auflösen. Das räumliche Sehen – und nicht nur das – muss sich neu einstellen; auch das Gegenstand gebundene Sehen muss nachjustiert werden, denn Bretz/Holliger entreißen die aller bekanntesten Gegenstände ihrer zuvor scheinbar festgeschrieben Funktionalitäten. Die einzelnen Teile ihrer Werke sind bekannt, nicht nur weil es häufig alltägliche Fundstücke sind. In den für Bretz/Holliger so typischen, oftmals phantastischen Konstruktionen aber verlieren diese zu gut bekannten Dinge ihre Selbstverständlichkeit. ,Alles bleibt anders.‘ Sehen und Denken befreien sich – ergebnisoffen. Freigegeben ohne Altersbeschränkung.