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Andreas Tschernoch

geb. 1960 in Frankfurt | lebt und arbeitet in Kassel
Förderprojekt 1998


Ausbildung
1989 Kunstakademie
1984  Studium der Freien Kunst an der Gesamthochschule Kassel
   
Ausstellungen (Auswahl) 
2004  take care, Kunsthaus Hamburg   
2003  Andreas Tschernoch - Kulturlandschaft, Arte Giani, Frankfurt/Main
1998  Die Euro-Palette, Neuer Kasseler Kunstverein
1997  Holz, Nassauischer Kunstverein Wiesbaden
1996  Galerie Sander, Kassel
Transparenzen, Produzentengalerie, Kassel
1994 Produzentengalerie, Kassel
MuM Artworks ´94, Weßlingen/München
Galerie Arte Giani, Frankfurt
1993 Galerie Anita Beckers, Darmstadt
1992 Galerie Schuster, Gelnhausen
Galerie Vruchtenhagel, Kassel
Kasseler Kunstverein
1991 Dock 4, Kulturhaus der Stadt Kassel
 1990  Skulpturensommer ´90, Landshut

Natur und Technik in den Objekten von Andreas Tschernoch In lockerer Reihung an der Wand angebracht erinnern sie an einen Vogelschwarm. Auf flachen Tellern sitzen sie und scheinen sich voller Optimismus auf ihren Abflug vorzubereiten: Die Wäscheklammer mit den Flügeln aus Ahornsamen, die Petroleumlampe als Fesselballon und die Fliegenklatsche mit Sattel-Beelzebub für eine Miniaturhexe.
Unter dem Titel „Perpetuum Volandi“ versammelt Andreas Tschernoch eine Reihe merkwürdiger Objekte. Profane Gegenstände werden durch Spielzeugpropeller oder flugtaugliche Pflanzensamen zu Flugapparaten: Reminiszenz an Kindertage voller Einbildungskraft? Nicht nur. Diese „objets trouvés“, die dem Betrachter zunächst ein Lachen entlocken, besitzen eine subversive, ironische Kraft; verunsichern nicht zuletzt den menschlichen Glauben an technische Allmacht. Die beiden Pole,zwischen denen sich die Entwicklung der Mensch-
heit abspielt, heißen Natur und Kultur.

Auch für die Kunst bietet die Natur immer wieder eine Reibungsfläche; sie bemüht sich ihr nachzueifern, sie zu übertreffen, ihr ebenbürtig zu sein. Seit der Romantik, der Zeit der beginnenden Industrialisierung, ahnt die Kunst das Ende der Koexistenz der beiden Pole. Die verschwindende, wilde Natur wird fortan zur Metapher für das ganzheitliche Dasein und zugleich für seine Gefährdung. Dies vielleicht mit gutem Grund, scheint sie doch mehr und mehr von der Kultur verdrängt zu werden. Die Gefahr der Standardisierung durch Monokulturen und Gentechnologie wird sinnfällig beim Anblick kilometerlanger Reihen von Kohlköpfen und Zuckerrüben.

Auch „Standard Grün“,ein Objekt Andreas Tschernochs von 1994, scheint die Unterwerfung der Natur zu verdeutlichen: Ein Verkaufsapparat, als solcher schon Zeichen der Entfremdung, bietet hinter Glasscheiben und gut beleuchtet seine Leckereien an. Die auf Knopfdruck erreichbaren Früchte wirken jedoch wenig appetitlich, denn ebenso wie der Apparat selbst sind die hier verwendeten Obstattrappen mit einheitlichem Hammerschlag-Lack überzogen: „Standard Grün“. Doch der Gebrauch des nostalgisch anmutenden Gehäuses, hinter dem sich noch pure Mechanik verbirgt, macht deutlich: Andreas Tschernoch teilt nicht in Gut und Böse; ihm geht es vielmehr um die Ambivalenz im Verhältnis zwischen Natur und Kultur.

Die Erkundungen Tschernochs zwischen Natur und Technik sind vielfältiger Art.Arbeiten seine Holzskulpturen mit der verschiedenartigen ästhetischen Durchdringung des Raumes in Natur und Technik, faszinieren seine Objekte häufig durch die Kombination so unterschiedlich scheinender und dennoch so ähnlicher Phänomene aus den gleichen Bereichen. Diese anfänglich so kurios, ja absurd erscheinende Parallelisierung wirft plötzlich Fragen auf, fordert die Reflexion.Tschernoch selbst enthebt sich derweil jeglichen Urteils; wahrt die ironische Distanz. So schweben seine Objekte gleichsam über den Polen des Spannungsverhältnisses zwischen Natur und Technik und erschließen hier neue Erfahrungsräume.

Regina Bärthel