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Florian Tiedjegeb. 1964 in Düsseldorf| lebt und arbeitet in Sélestat
Förderprojekt 2003 ![]() Ausbildung
Florian Tiedje fotografiert Landschaften. Was ist gemeint oder was versteht man heute unter dem Begriff Landschaft? So wie es unzählbare Möglichkeiten gibt Landschaft wahrzunehmen oder zu missachten, so gibt es unzählbare Variationen Räumlichkeiten als Landschaft zu definieren. Wie konstituiert sich Landschaft? Was macht sie zur Landschaft? Erhabenheit, Schönheit, Pittoreske? oder ist sie einfach nur Umfeld? Wo fängt sie an, wo endet sie und warum? Die Unmöglichkeit diese Fragen definitiv zu beantworten bewirkt oder zwingt uns den Zusammenhang der Räumlichkeiten und ihre Wechselspiele zu akzeptieren – die historischen wie die jahreszeitlichen, das vegetative wie das animalische Leben. Landschaft ist überall – gleichzeitig komplex und offensichtlich – und braucht zum Beweis ihrer Existenz nur einen Standpunkt! Den Menschen, den Beobachter, das Individuum, der schaut und den Raum benutzt und damit diesen subjektiven Standpunkt erschafft. Individuum/Raum Florian Tiedje sucht in seiner Arbeit diese sensible Verbindung zwischen Mensch und seiner Umgebung zu erfassen, die inneren Spuren dieser Begegnung lesbar zu machen. In den Landschaften oder auch Stadtlandschaften, die er erforscht und wie Bühnen organisiert, konstruiert er geduldig eine photographische Welt, in der Personen wie vom Weg abgekommen auftauchen, um so Geschichten durch die Abfolge der Bilder hervorzubringen, die die Plätze in immer wieder anderem Licht erscheinen lassen. Die bei jeder Aufnahme an eine Aktion grenzende Arbeitsweise – die Kombination von fein arrangierten Details und Zufällen, die der Ort und der Moment mit sich bringt – bewirkt die Entstehung von diskreten Farbmotiven und Ankerpunkten, die uns in das Zentrum des Bildes ziehen. Die Landschaft wird zur Bühne, auf der die Figuren, die Schauspieler, die Accessoires – wie eine rote Mütze, ein blaues Hemd oder eine Plane – die Vision mit ihrer bildhaften Intensität noch verstärken. Indem F.T. seine Figuren wie Punkte auf einer Landkarte platziert, spricht er das Rätselhafte dieser Landschaften an, er vermischt die Zeit und weckt unser Interesse in die Tiefe des Raumes der Landschaft zu blicken. Diese Arbeitsweise des Beobachtens, Wartens und Inszenierens erlaubt es ihm, diese vergänglichen, offensichtlichen oder unwahrscheinlichen Beziehungen zwischen Mensch und Natur in vielseitiger Art und Weise aufzudecken. Zudem beinhalten die Panoramaformate eine filmische Komponente – Geschichtsansätze entstehen und überlagern sich beim Betrachten des Bildes und seiner unzählbaren Details. Man schweift von Punkt zu Punkt und verliert sich. Die Arbeiten „Au bord du village I“ oder „Dans la ville I“ zeigen Grenzgebiete, die sich in doppelter Hinsicht manifestieren. Einmal in einer offensichtlich topografischen Situation im Bild und zum Zweiten, ermöglicht durch die Form des Doppel- oder Dreierbildes, in einer Fokusierung auf Räumlichkeiten oder Flächen, die sich sehr unterschiedlich gegenüberstehen. Oder es wird, wie in den Bildern „Im Humbertwald“ oder „Solstiz“, der Aspekt des Dokumentes einer realen, fast brutalen Begebenheit dargelegt wie die Folgen des Sturmes Lothar oder eine Abrissszene. Diese Arbeiten entstehen durch das wiederholte Aufnehmen einer Situation über einen längeren Zeitraum, dem Sammeln von Ereignissen an einem Ort und dem späteren Zusammenfügen der einzelnen Photostücke zu dem endgültigen Bild. Obwohl es sich hier ausschließlich um dokumentarisches Material handelt, dieses aber in seiner chronologischen Abfolge neu geordnet wurde, erfahren wir selbst hier etwas zeitlos Friedliches. Somit schlägt F.T. eine neue Wahrnehmung von Landschaft vor. Diese gleichwertige, vorurteilslose Aufmerksamkeit für einen Strassenrand, einen heiteren Spätsommerhimmel, ein unwirtliches Brachland oder einen alten Obstgarten bewirkt in F.Ts. Bildern eine Hinterfragung des Begriffs Landschaft. Widerschein der Landschaft auf das Individuum und Abdruck des Menschen in der Landschaft. Hinterfragung im Vor und Zurück jenseits jeder ästhetischen Dimension. Es geht hier nicht, oder noch nicht, um Lust oder Unlust, Interesse oder Ablehnung, sondern vielmehr um die fast existentielle Notwendigkeit die Umwelt in einer Form von Neugierde zu erkennen und anzunehmen. Annlie Tieberre 2003 |
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