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Alex Tennigkeit

geb. 1976 in Heilbronn | lebt und arbeitet in Berlin
Förderprojekt 2004


Ausbildung
1996-2002 Meisterschülerin bei Andreas Slominski
2001/2002  Studium an der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei Silvia Bächli und Andreas Slominski 
   
Einzelausstellungen 
2008 Flipside Arcadia, Galerie Jette Rudolph, Berlin
Plus / Ultra zus. m. Hidde van Schie, Kawadrat Berlin
Outopia Prelude, Stadtgalerie Schwaz, Tirol, A
2007  Foundation B.a.d presents, mit Poh Wang, RotterdamArt Brule, mit Nicole Bianchet, Le 9bis, St.Etienne
Tutti Frutti di Mare
, mit Damien Deroubaix, WestGermany,
2006  LARGER THAN LIFE, Galerie Jette Rudolph, Berlin
Gtop8tä, mit Anselm Reyle, Jens Wolf, Kunstverein Ravensburg
2004 PHOENIX – Life Reloaded, Galerie Jette Rudolph, Berlin
2003 KSC, mit Nicole Bianchet, Conni Brintzinger, Autocenter, Berlin Junges Forum, Guardini Galerie, Berlin Oh so random..., mit Marcus Sendlinger, Galerie Jette Rudolph, Berlin
Mixed media
, mit Marcus Sendlinger, Columbus Art Foundation, Zußdorf
2000 I love lonesome nights, mit E. Götz, Rheinhafen, Karlsruhe
1999 I never get out of these Blues alive, mit Marius Diaconu Flugzeughangar, Karlsruhe
   
Gruppenausstellungen (Auswahl) 
2008 Techne, Galerie Michael Haas, Berlin
Gegen den Strich, Bielefelder Kunstverein /in Koorp. mit Künstlerhaus Bethanien
2007  Gegen den Strich, Künstlerhaus Bethanien, Berlin
What‘s up, kuratiert von Prof. Dr. Zybok, Museum der Stadt Ratingen
Bookish relations, kuratiert von Anna-Catharina Gebbers, Berlin
Inky Toy Affinitas, kuratiert von A-C Gebbers, Cereal Art, Philadelphia
Wir hätten das Land gern weit und rund und sie..., Showroom Berlin
2006  Leinzell Open, kuratiert von Axel Heil, Schloss Leinzell
Meister Maler, 9. RISCHart PROJEKT, München
Die Jugend von Heute / The Youth of Today, Schirn Kunsthalle, Frankfurt am Main
2005  Cosmo-Logic, Galerie Jette Rudolph, Berlin
Just Painting!, Columbus Art Foundation, HSH Nordbank AG, Hamburg
The Festival of Dreams – Part II, Lombard-Freid Fine Arts, New York
2004  Unplugged, Berlin
Alptraum, Berlin
TAKE CARE
, Columbus Art Foundation, Kunsthaus Hamburg
DE-REALIZE Karlsruhe, Badischer Kunstverein, Karlsruhe
subversiv, sexy und stilvoll – Malerei heute, Galerie im Stadtmuseum Jena
2003  Wheeling, cell project space, London
BANG BANG Berlin, bergstübl PROJEKTE, Berlin
SEVEREAL, Restitution, Berlin
2002 PLEASING THOUGHTS, kuratiert von April Lamm, griedervonputtkamer, Berlin
DIE SUPERZELLE, im ehemaligen Kino »Die Kamera«,
Organisation: Badischer Kunstverein, Karlsruhe
TopMeisterschülerInnen-Ausstellung, Kunstverein Offenburg
2001 Die Vertreibung der Händler aus dem Tempel, Kunstfabrik am Flutgraben, Berlin
Heinsteinwerke, Museumsnacht Heidelberg
Queens Hotel, Karlsruhe
   
Preise und Auszeichnungen 
2007  Foundation B.a.d. Rotterdam
2005  Künstlerstätte Schloss Bleckede
GVS – Förderpreis Junge Künstler
2004 Förderprojekt Columbus Art Foudantion, Ravensburg


This Is All I Wanna See

Alex Tennigkeits Werke entstehen durch Prozesse persönlicher Aneignung allgegenwärtig verfügbarer Informationen. Indem sie ‚Rohmaterial’ aus verschiedenen Medien – wie Zeitungen und Zeitschriften, Flyern, dem Internet oder Film und Filmplakaten – durch ihren persönlichen Filter zieht, entwickelt sie ihre individuelle Sicht auf komplexe Zusammenhänge und wirft diese schließlich in Form von Ölbildern, Zeichnungen, Objekten und Rauminstallationen zurück in die Welt.

Das persönliche Zeichensystem, welches die junge Künstlerin mit Bild- und Textfragmenten aus unterschiedlichen Zeiten und Zusammenhängen entwickelt hat, erscheint auf den ersten Blick wie eine verwirrende Mixtur emotional hochdosierter Einzelteile. Texte aus der Hip-Hop-Musikszene, politische Repräsentationselemente, mythisch aufgeladene Symbole sowie Bilder aus Lifestyle- und Modemagazinen, Film, Werbung, Naturkunde- und Geschichtsbüchern treffen bei Tennigkeit auf die erstaunlichste Weise zusammen. Subjektiv und assoziativ reflektiert sie den Umgang ihrer Generation mit Themen wie Liebe, Tod, Spiritualität, Natur, Gewalt, Macht und Identität.

Was auf den ersten Blick nahezu kitschig wirkt, ist eine bewusst gewählte Ausdrucksform, die es in sich hat. Die kursiv geschwungene Edwardian-Schrifttype, die häufig in einzeln gesetzten Worten auftaucht, verbindet sich mit mild lächelnden Beautygirls und steht in heftigem Kontrast zu der Ästhetik direkt daneben platzierter Totenköpfe und Fledermäuse. Symbole mittelalterlicher, indianischer und altägyptischer Mystik – ursprünglich als Hilfsmittel zur meditativen Versenkung entwickelt – tauchen heute ganz selbstverständlich in kruden Mixturen als Fetischsymbole, Tatoovorlagen oder Embleme der Musik- und Gruftie-Szene wieder auf. Tennigkeit greift die Symbolkombinationen aus diesen Zusammenhängen heraus und geht noch einen Schritt weiter, indem sie sie in schwarz-rot-goldene Sonnenuntergänge, Ölfeldexplosionen und Fahnenarrangements integriert.

Mit einem im Wald gefundenen Baumhaus setzt Tennigkeit der monumentalen und überbordenden Repräsentationssymbolik die subversive Kraft und reine Energie der Freiheit entgegen. Die grobe Materialität und wilde Bauweise des objet trouvé transportiert Ideen und Empfindungen, die das Feld in Richtung Anarchie, Aufbegehren und Abenteuer öffnen.

Tennigkeit vermag mit dieser Vorgehensweise, zeitlich und geographisch weit voneinander entfernte Kulturepochen ineinander fallen zu lassen und so archaische Grundmuster des Menschen ins Blickfeld zu rücken.

Und doch sind ihre Arbeiten ganz in der Gegenwart verwurzelt. Denn Tennigkeit wirft ihren Blick auf die äußere Welt des schönen Scheins und schaut sich das, für ihre Generation durch den Einfluss der Medien so elementare Prinzip ‚Oberfläche’, sehr genau an. In schwarz-weißen Tuschezeichnungen und farbig reduzierten Gemälden, die Supermodells aus Modemagazinen zeigen, nimmt sie den täglichen Kampf ums Idealmaß ins Visier. In Kombination mit Songtexten entlehnten Schriftzügen wie „This Is All I Wanna See“ oder „You Know That I Want That“ setzt sie den Fokus auf perfekte Frauenbeine  – teilweise in Kombination mit verführerischen Blicken –, denen als Objekte der Begierde, überproportionale Bedeutung zukommt. Die zunehmende Wichtigkeit von Äußerlichkeiten innerhalb unserer hochgestylten Welt, aber auch das ewige Spiel der Reizauslotung zwischen den Geschlechtern, die Inszenierung des Selbst im Hinblick auf die Erwartungen des Gegenüber bei gleichzeitiger Rückbesinnung auf die wahrhaftige Identität sind kritische Anspielungen der Künstlerin und kommen als Interpretationsbausteine in Frage.

Alex Tennigkeit eröffnet ihre Website www.nineteensnakes.de mit fünf kurzen Sätzen, die als einzelne Ausstellungstitel in ihrer Vita wieder auftauchen. Hintereinander gelesen könnten sie genauso gut der Refrain eines Songs oder ein Gedicht sein:
 
Father forgive me .../
I’ll never get out of these blues alive /
I love lonesome nights /
Life is only a dream /
Forever’s a long, long time...

Nina Muecke
Berlin, 2004