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Marcus Sendlinger

geb. 1967 in Königstein | lebt und arbeitet in Berlin
Förderprojekt 2003


Ausbildung
1997 Diplom
1992-1997  Studium der freien Kunst, Malerei, an der HfG, Offenbach a. M.
   
Einzelausstellungen 
2007  Genesis, Galerie Jette Rudolph, Berlin
2006 Spacial Disorientation, Galerie Jette Rudolph, Berlin, Germany
2004 Pathfinder, Galerie Jette Rodolph Berlin
2003 Crossroads, Mannheimer Kunstverein
Columbus Art Foundation, m. Alex Tennigkeit, Ravensburg
Homework, Mathieu Bruls, Maastricht (Leporello)
Oh so random, m. Alex Tennigkeit, Galerie Jette Rudolph Berlin
2002 Eat My Dust, Galerie Jette Rudolph, Berlin
2001 Ground Zero, Galerie Jette Rudolph, Berlin
Liners and Fields, Galerie Helmut Pabst, Frankfurt a. M.
2000 Speedway, Galerie Jette Rudolph, Berlin
1999 Bild-Relikt, Alexa Jansen Galerie, Köln
1998 Landschaften (2), Ausstellungshalle am Güterbahnhof, Frankfurt a.M.
1994 Saloon, Gartner´s, Projektgalerie, Frankfurt/ M. (mit Dirk Paschke)
   
Gruppenausstellungen (Auswahl) 
2008 Gruppenausstellung 3, Autocenter Berlin
2007  GestalteCreate, MAK, Museum für Angewandte Kunst, Frankfurt am Main
Niveaualarm, Kunstraum Innsbruck, Oesterreich
Just Paper!, m. F. Ahlgrimm, G. Basch, D. Buetti, HSH Nordbank AG, Hamburg
VC London at Philipas hatsplus kingscross, m. T. Zipp, A. Butzer u.a., London
German Export, Benz, Pagenkemper, Sendlinger, MAC, Istanbul, Turkey
Drawn In, Torrance Art Museum, City of Torrance, cur. M. Freedman, Cal., USA
2006  Tresenwolf, m. K.-M. Trede, W. Flad, Ausstellungsraum Autocenter, Berlin
VC 9 WIEN, Secession Wichtelgasse, Vienna, A
New Abstract Painting, mit A. Reyle, K.-M. Treder, W. Flad, Krammig&Pepper Contemporary, Berlin
anders sehen, Columbus Art Foundation, Ravensburg
Viewing Club 8, Bonner Kunstverein, Doenerbude, Bonn
Bild/Skulptur, Galerie Jette Rudolph, Berlin
Viewing Club 7, Ausstellungsraum Autocenter, Berlin
2005  La Citta che sale, Bergamo, I
Just Painting, NSH Nordbank, Hamburg
Viewing Club, Berlin- Hamburg- London
drei, zwei, eins, Columbus Art Foundation, Ravensburg
Bound_less, touring exhibition, Stenersenmuseet Oslo
2004  Take Care, Columbus Art Foundation, Kunsthaus Hamburg
Berlin Constructions, TIAF Toronto (Kurat. Rhonda Corvese), Gallery Greener Pastures, Toronto/ CAN)
Alptraum/ Nightmare, Kita Borsigstrasse, Berlin
2003  Bag Lady (curated by Richard Priestly), Cell- Cambridge Heath Road, London/ GB
Cityplanning, Stichting Singe- Kunstencentrum Signe, Heerlen, NL
Wheeling- London, Cell, London
Growing Up Absurd, Felix Ringel Galerie- Curator's Space- Kunstrasen, Düsseldorf
Growing Up Absurd, POST Los Angeles/ U.S.A., Space 1
Wheeling (Wanderausstellung), POST Los Angeles/ U.S.A., Space 2
2002 Wheeling- Motorcycles in Art, Ausstellungsraum de Ligt, Frankfurt a. M.
Sendlinger, Baschlakov, Castringius, Gimmler, Art Bug, Bassano del Grappa/ Italien
Good Vibrations, Galerie Jette Rudolph, Berlin
Wheeling, Krad Kult Tour, Galerie Jette Rudolph, Berlin
Sound, G7, Berlin
2001 Pop Konkret, Galerie Jette Rudolph, Berlin (mit P. Argent, M. Freedman)
Wandstücke/ Wall Pieces, Michael Schneider Zeitgenössische Kunst, Bonn
2000 404, Galerie Helmut Pabst, Frankfurt/ M.
Genre Painting, G7, Berlin
The New Plastic Arts, Galerie Jette Rudolph, Berlin
1999 Ausblicke/ Views, 13. Nationale der Zeichnung, Augsburg
1996 Ultraschall Transformer, HfG Offenbach/ M. & Schering AG, Berlin
1995 Illusion und Substanz, Offenbacher Kunstverein
Ausflug nach Polen/ Trip to Poland, Jan Matejko Akad. d Künste, Krakau, Polen

   
Der Fleck als Statement

Was waren das für gemütliche Zeiten, als auf der Rückbank des geliebten PKW noch ein Kissen mit der eingestickten Autonummer lag, auf der Hutablage der Wackeldackel neben der umhäkelten Klorolle für unterwegs autistisch vor sich hinnickte, und die Vase am Armaturenbrett mit einer staubigen Kunststoffnelke prunkte. Die 80er hatten mit all dem aufgeräumt, als zum Schrecken aller Feierabendpolierer plötzlich bunte, neonfarbene Splashes auf der Karosse des bis dahin als halbwegs intelligent eingestuften Nachbarn auftauchten. Die meist unsäglichen Ausformungen der ungebremsten Dekorationswut sind raschem Wandel und ebenso raschem Verschwinden unterworfen und können damit ein bestimmtes Zeit- und Lebensgefühl hervorragend dokumentieren. Sendlinger verwendet diese Formen in seinen Bildern als Reminiszenzen und nostalgische Schaufenster zu zeittypischen Erscheinungen, die er in seine Malerei einbindet. Aspekte der Trivialkultur werden zu einem Vehikel der Malerei, verschieben diese beinahe unmerklich in einen nicht genau definierten Bereich zwischen Hochkunst, Design, Trashkultur und Alltagswahrnehmung. Elemente der Comicwelt wie Speedlines oder die Verwendung der Splashes als Glanzpunkte tauchen darin ebenso auf wie eine schon katastrophal anmutende lineare Vernetzung, die eine konstruktive Ebene anspricht, ohne dem Design aus dem Weg zu gehen.

Hard-Edge und triviale Gemütlichkeitsmuster treffen hier aufeinander und gehen eine malerische Synthese ein, die es in sich hat.  Manche Bilder werden wie Teile eines Puzzles präsentiert, als Suchbild, das bewusst Disparates und Zusammengehöriges mischt, daraus neue Zusammenhänge konstruiert. Das Bild zerfällt dabei in Einzelteile, die das Unfertige, Temporäre betonen und mit Verfallsdaten arbeiten. Tusche, Acryl, Carliner, Motivsticker und Metallflakes – alles Materialien, die zum schnellen Verbrauch
bestimmt sind– materialisieren als Malerei auf der Leinwand, radikal zeitgenössisch und dem schnellen Fluß der Zeit kurzzeitig entrissen. Überhaupt spielt diese Malerei sich mit atemberaubender Geschwindigkeit ab. Wie schnelle „takes“ im Videoclip lagern sich die einzelnen „images“ übereinander, um neuen Platz zu machen. Tiefe und Flächigkeit kontrastieren hart miteinander. Überlagerungen und versteckte Bilder befinden sich im ständigen Fluss. Immer wieder sind da Motorradbilder, Easy Rider auf dem Gewirr der Hochstraßen unterwegs zu neuen Horizonten. „I ́m a poor lonesome cowboy and a long way from home“ singt Lucky Luke, wenn er in die untergehende Sonne reitet, Freiheit und Abenteuer, die niemals wirklich enden.
 
Sendlinger benutzt die vorgefundenen Bilder und visuellen Strategien mit ihrer grellbunten, Aufmerksamkeit erheischenden Sprache, um zu einer neuen Realität in der Malerei zu gelangen, die in der Alltagserfahrung noch einen Anker besitzt. Als Collagen der Medien- und Alltagswirklichkeit bilden sie eine eigene Wirklichkeit ab, die wiederum malereispezifisch ist und die Geschichte der Malerei selbst reflektiert.  Pop und konkreteMalerei treten als Onkel und Tante an die Wiege der Malerei, die Paten heißen Autowerbung und MTV. In der spielerischen Verflechtung und Vernetzung liegt eine der Hauptstärken dieser Malerei; durch keine falschen Tabus behindert, entfaltet sich ein lustvolles und doch genau kalkuliertes, verdichtetes Bild der Realitätin vitro, das, beim Betrachter angekommen, das Licht der Welt erblickt.

Martin Stather (Mannheimer Kunstverein)