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Nada Sebestyén

geb. 1968 in Gießen | lebt und arbeitet in Berlin
Förderprojekt 2004

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Ausbildung
1992-1996 Studium an der HdK Berlin: Freie Kunst bei Prof. C. Möbus, Meisterschülerin
1990-1992  Studium Kunsterziehung und Freie Kunst an der HBK Braunschweig
1990 ein Semester Architektustudium RWTH Aachen
   
Stipendien
2003  Reisestipendium der Hessischen Kulturstitung: China und Mongolei
2000  Arbeitsstipendium des Berliner Senats und des DAAD: Istanbul
1999 2. Preis beim Bosch Kunst-und Designwettbewerb “Let´s talk global“
1998 Arbeitsstipendium von NaFög (unterstützt durch DAAD): New York
1997-1999 NaFög-Stipendium (Nachwuchsförderung des Berliner Senats)
1994 Projektunterstützung durch die Frauenförderung des Berliner Senats
1992-1994 Stipendium der Studienstiftung
   
Einzelausstellungen und Projekte
2008 National Museum Neverland, Galerie Kai Hoelzner, Berlin
2007 Choreografien der Landschaft, Kunstverein Hasselbach e. V., im Tal
2006  Jetzt weiß ich wo, kjubh Kunstverein, Köln
2003  Bühnen- und Kostümbild kleiner Prinz von Dänemark, Theater Altenburg-Gera
2002  Welcome, Galerie Koch und Kesslau, Berlin
Treck, Dresdener Bank, Frankurt/M
Weg, Goetheinstitut Budapest
2000  Weg, Goetheinstitut Istanbul
1999 Performance "Modenschau", Galerie Koch und Kesslau, Berlin
Park, Kunsthalle Gießen
Bühnen und Kostümbild, Heiratsantrag, Schiller-Werkstatt, Berlin
Mobil, Haus Ungarn, Ungarisches Kulturinstitut, Berlin
Gründung des Modelabels NADA
1997 Besuch, Galerie Koch und Kesslau, Berlin
Schön wohnen-gut leben, dirty windows gallerie, Berlin
Sonntag, Galerie Weißer Elefant, Berlin
1995 Zimmer möbliert, bei Springer König Architekten, Berlin
   
Gruppenausstellungen
2010 schrägterrain, Columbus Art Foundation, Spinnerei Leipzig & Kunsthalle Ravensburg
2009 New Omega Workshops, Galerie September, Berlin
Berlinstipendiaten in Istanbul, BM Suma Art Center Istanbul und
Kunstamt Kreuzberg, Berlin
Temporary City
, Atelierhof Kreuzbeg, Berlin
2007 Wohnen, womit und wie?, Passagen Köln
2006 Ferienhäuser, Künstlerverein Malkasten
2004  Berlin Biennale
Abstrakter Expressionismus in der zeitgen. Skulptur, Galerie Johann König, Berlin
2003  lautloses irren, ways of worldmaking, too, Postbahnhof Berlin
small talk, Ludwig Museum Köln
2002 CUT!, Schloß Ringenberg
Touristische Blicke, Kunsterein Wolfsburg
Layered Histories, Staatsbank, Berlin
Zweite Haut, Museum Bellerive, Zürich
Junges Modedesign, Kunstgewerbemuseum Hamburg
Möbelwerke, Galerie Pankow, Berlin
2001 Fremde mit C. Zück, Nationalmuseum Accra / Ghana und Indus Valley School / Goethe Institut, Karachi / Pakistan
Auf offener Straße, Kunstamt Kreuzberg, Berlin
Die zweite Haut - Kunst und Kleidung, Museo della Donna, Meran
Housing, Constanze - Pressehaus, Berlin
2000 anyone could be anyone.. mit Modenschau, Gallerie Brigitte Trotha, Frankurt/M
BMA 2000, Kunsterein Aschaffenburg
1998 Homes and Buildings, Marui Gallery, New York
Looking abroad, Kunststitung Poll, Berlin und KV Braunschweig
1997 Looking overseas, Corcoran Gallery, Washington D.C.
   


Ein Mantel als Haus
Über das Werk von Nada Sebestyén

„Wohnen“ hat mit Gewohnheit und mit dem Gewöhnlichen zu tun, also mit einer Stimmung, bei der man seiner Umgebung vertraut, und daher
nicht auf sie achtet. Und „Wagen“ hat mit Wagnis zu tun, mit Fahren und Erfahrung, also mit einer Stimmung, bei der man seine Umgebung beobachtet, weil sie nicht vertraut ist.
(Vilém Flusser, Von der Freiheit des Migranten, 1994)

Wohnräume, Behausungen und die Frage nach dem Verhältnis von Heimat und Fremde sind im Werk von Nada Sebestyén seit jeher wichtige Koordinaten. Während die traditionellen bildhauerischen Arbeiten aus den Jahren 1991 bis 1997 einem imaginären Bewohner ihrer  Kunsträume gewidmet waren, stehen seit ihrem Aufenthalt in New York (1998) textile Materialien und die Herstellung von Kleidung im Zentrum ihrer künstlerischen Arbeit. Die Moving Clothes sind aus amerikanischen Umzugsdecken hergestellt, die von Umzugsunternehmen benutzt werden, um die Möbel beim Transport zu schützen. Der Moving Coat ähnelt in seiner Funktion einem Zelt, das beweglich sein muß und den Reisenden dennoch beschützen und umhüllen soll. Neben diesenDecken werden auch Segeltücher und Zeltplanen verarbeitet: Materialien, die sich neben der hohen Belastbarkeit durch ihre Bedeutung für den mobilen Einsatz auszeichnen und Spuren des Gebrauchs tragen. Daraus entstehen Mäntel, Capes, Röcke, Hosen und Umhänge, die unterschiedliche Gestaltungsprinzipien aus den Bereichen Mode, Design und Kunst aufgreifen und miteinander verknüpfen.

Während eines Arbeitsstipendiums in Istanbul (2000) entstehen die Fotocollagen der Serie Neubau, die als Entwürfe für bewohnbare Strukturen in erdachten Landschaften zu verstehen sind. Häuser, Hütten und Unterstände stehen in Gegenden, die aus Ägypten, Kreta und Brandenburg montiert sind; in denen immer wieder Gebirge, Wüste und Wasser auftauchen. Oft sind die Behausungen Randerscheinungen auf den Blättern, die bis 120 cm groß sind, manchmal sind tiefe Baugruben oder zerklüftete Fassaden zentral ins Bild gesetzt. In ihrer Machart entsprechen diese Collagen den gecekondu. Das sind Hütten, die seit  Anfang der achtziger Jahre aufgrund des explosionsartigen Bevölkerungszuwachses aus dem Osten illegal auf brachliegendem Land am Stadtrand von Istanbul aus einfachsten Materialien über Nacht gebaut wurden. Das collagenhaft Erbastelte dieser temporären Bauten, die immer wieder erweitert und schließlich zu soliden Häusern wurden, ist Thema und zugleich künstlerisches Arbeitsprinzip im Werk von Sebestyén. Während unterschiedliche Elemente in den Fotocollagen auf der Fläche aufeinandertreffen, nehmen sie in Panoramaund All räumliche Gestaltan. Panorama ist eine teppichartige Decke, All ein Mantel, zusammengesetzt aus Kleidungsstücken unterschiedlichster Provenienz. Die plastischen Arbeiten wirken wie Teile einer Reiseausrüstung und verbinden die Idee der Moving Clothes mit den Siedlungsentwürfen der Collagen.

Das Nomadentum ist eine mobile, auf Wanderschaftbasierende Lebens- und Wirtschaftsweise, die das Wohnen nicht kennt. Unterwegs zu sein ist auch die Verfassung des Migranten; eine Haltung, für die NadaSebstyén sich interessiert und eine Situation, der sie sich immer wieder aussetzt. Sie hat in New York undin der Türkei, in Accra (Ghana) und Karachi (Pakistan), in China, Ägypten und der Mongolei Erfahrungen gesammelt, die sich in ihrem künstlerischen Projekt
niederschlagen. Sie möchte überall sein können, nicht nirgendwo zu hause sein.

Markus Lepper