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Olaf Quantius

geb. 1971 in Bonn-Bad Godesberg | lebt und arbeitet in Berlin
Förderprojekt 2003



Ausbildung
1993-1999 Studiert an der Akademie der Bildenden Künste, Karlsruhe, bei Luc Tuymans, Dirk Skreber, Thom Barth, Max. G. Kaminski und Andreas Slominski
   
Einzelausstellungen 
2007  den Wald vor Bäumen nicht, Galerie KuttnerSiebert, Berlin
Nomad Paintings, Galerie Iris Kadel, Karlsruhe
2006  Perspektiven heutiger Malerei, Deutsche Bundesbank, Frankfurt
2005 Sterne und Warten, Galerie Iris Kadel, Karlsruhe
2004 Ottnang, Institut français de Stuttgart, Stuttgart
Silbersee, KuttnerSiebert, Berlin
2003 Galerie KuttnerSiebert, Berlin
Arnikaernte, Galerie Iris Kadel, Karlsruhe
2001 Kunstraum Bruxelles, Brüssel, B
1999 Horten, Düsseldorf
   
Gruppenausstellungen
2007  Kunstkreditausstellung, Kunsthaus Baselland, Basel, CH
Musée des Beaux-Arts / Villa Steinbach, Mulhouse, FR
Regionale 8, Kunsthalle Basel, CH
Beyond the country, Lewis Glucksman Gallery University College, Cork, IRL
Das Plateau, Morat-Institut für Kunst, Freiburg
2006  true colour, Columbus Art Foundation, Ravensburg
Floating Forms - abstract art now, Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen
connivence, Fabrik Culture Hégenheim, FR
choices: unterwegs zur Arbeit, Kunstraum Riehen, CH
Galerie Flach Geiger, Stockholm, SE
2005  Villa Wenkenhof, CH
drei, zwei, eins, Columbus Art Foundation, Ravensburg
SOFT LIQUID LIGHTNING TOUCH, Doggerfisher Gallery, Edinburgh, GB
2004  Regionale, Kunst Raum, Riehen, Basel, CH
2003  Regionale, Kunst Raum, Riehen, Basel, CH
2002 Junge Kunst, Kunstverein Pforzheim, Pforzheim
Kunststiftung Baden-Württemberg, Stuttgart
2001 Scheider & Söhne, Karlsruhe
2yk Galerie, Berlin
Künstler helfen Künstlern, Württembergischer Kunstverein Stuttgart
Mannheimer Museumsnacht, Heinsteinwerk
Sammlung Columbus, Zußdorf
2000 Debütantenausstellung, Kunstakademie Karlsruhe, Karlsruhe
Queens, Karlsruhe
1999 Meisterschüler der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste, Schloss Bruchsal
   
Stipendien
2005 Preis der Alexander Clavel Stiftung
iaab - Berlinstipendium der Stadt Basel, CH
2003  Cité Internationale des Arts, Paris
2001 Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg


Schon oft wurde das Ende der Malerei verkündet. Doch wie aus Trotz, könnte man meinen, behauptet sie sich, und mit ihr junge Künstler wie Olaf Quantius. Die Vielfalt der bildnerischen Möglichkeiten hat bislang noch kein Medium aussterben lassen. Im Gegenteil: die digitalen Medien, allen voran das Internet, haben die Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit in neue Dimensionen geführt und damit auch die Möglichkeiten im Ausdruck von Malerei erweitert.

Betrachtet man das malerische Werk von Olaf Quantius, so fällt auf, dass er zum einen ganz „Maler" im klassischen Sinne ist, der virtuos mit Farbe und Pinsel umzugehen weiß, er zum anderen allerdings eine fragend kalkulierende Distanz zum Funktionieren und zur Motiviertheit von gemalten Bildern wahrt.
Eigenwillige Formen und Gebilde mit scharfen Kanten durchziehen seine Arbeiten. Schriftzeichen, Pinselspuren und Farbspritzer addieren sich zu optischen Ereignissen, während der Hintergrund mal unbearbeitet, mal monochrom bleibt oder aber den Blick in die inFarbverläufen angelegte Tiefe lenkt. Durchbrochen wird der Eindruck der Lokalfarbigkeit von sich bewegenden Gebilden, die aus der Tiefe an die Oberfläche zu dringen scheinen. Wir glauben diese schon in Fernsehbildern oder auf Computerbildschirmen gesehen zu haben. Einzig das Eigenleben des mit Nägeln an der Wand befestigten Baumwollgewebes verweist  auf die physische Qualität des Gemalten.

Exemplarisch für Quantius ́ Arbeiten beinhalten die Bilder „Seerosen“ und „Kartoffeln“ zwei Extreme, die sich gegenseitig bedingen und stellvertretend für eine polarisierte Situation stehen. Dazwischen befindet sich ein Vakuum, eine Lücke. Die Aufmerksamkeit ist auf das Sichtbarmachen von Randparametern oder den Raum „dazwischen“ gerichtet. Das äußert sich etwa in der Fragestellung: wo hört in einem Farbverlauf eine Farbe auf und wo beginnt die andere. Oder: wie viel Zuwendung benötigt ein Bildträger, ein Motiv, um mehr zu sein als nichts? Oder: wann erstarrt übermäßige Ausführung in affirmativeTautologie?


Quantius versucht in seinen Arbeiten den Grenzraum zwischen Denken und Empfinden, zwischen Begrifflichkeit und Abstraktion auszuloten. Was liegt zwischen dem Gedanken und seiner Ausführung, was zwischen der Präsenz des Augenblicks und der gedanklichen Konstruktion desselben?
Der Vergleich zu fotorealistischer Malweise drängt sich auf, in der der Blick des Betrachters mehr zu erkennen glaubt, als in Wirklichkeit dargestellt ist. Und doch geht es Olaf Quantius weniger um das Abbild, als um die Verkörperung dessen, was sich aus seinengemalten Flecken und Körpern entwickeln kann. Nicht umsonst formen sich die Elemente zu Bändern oder durchmessen als wuchtige Gebilde den Raum der Leinwände, einzig, um ihn zu durchbrechen, um sich weiter zu bewegen. In seinen Bildern eröffnet sich zumeist eine unendlich scheinende Tiefe aus chromatischen Farbverläufen, so als wolle er die durch den Keilrahmen gesetztenGrenzen der Gemälde nicht anerkennen. Ein sichtbarer Beweis zum einen für die Suche nach dem Unendlichen, zum anderen für die Konzentration auf die darin befindlichen Details und ihre Erscheinungsformen.

Die gleichzeitige Präsenz von malerischer Pastosität und lasierender Feinheit der Oberflächen in Bildern von Quantius lässt an Inszenierung oder zumindest an Kalkulation von Malerei denken. Die Inszenierung währt aber nur so lange, wie der Plan für ein Bild, wie die Entscheidung, Farbe auf
einen Träger aufzubringen, dauert. Im Moment des Pinselstrichs verselbständigt sich die Malerei und wird zu einem Prozess der Selbsterfindung. Es findet demnach eine Rückkoppelung statt. Das Gedachte und das faktisch Geschaffene bilden einen produktiven Wirbel, in dem vielleicht die menschlichen Fähigkeiten des Denkens und Liebens angesiedelt sind.

Susanne Richter