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Astrid Herrmann

geb. 1965 in in Bruck /Mur (Österreich) | lebt und arbeitet in Hamburg
Förderpreis 1998


Ausbildung
1986-1988 Studium der Kunstgeschichte,Wien
tätig als Grafikerin,Wien
Internationale Sommerakademie, Salzburg
Studium Freie Kunst, Hochschule für Bildende Künste, Hamburg
Diplom 
   
Ausstellungen 
2001 Televisions - Kunst sieht fern, Kunsthalle Wien (Halle 1, Halle 2 im MQ), Vienna
2000  Sehnsucht nach Utopie, Nassauischer Kunstverein, Wiesbaden
1999 Fin de Siècle - Bilder zur Jahrtausendwende, Stadtmuseum Graz, Graz
Förderungspreis des Landes Steiermark für zeitgenössische bildende Kunst 1999
Neue Galerie Graz am Landesmuseum Joanneum, Graz
RELOAD, † Shift e.V., Berlin
 1998  In Medias Res, Studio Galerie, Budapest

weitere Gruppenausstellungen
Schichtwechsel, Kunsthaus, Hamburg (Kat.)
Kompositionen, Atelier beim Ambrosi Museum,Wien (Kat.)
Kunststudenten stellen aus, Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn (Kat.)
Hamburg-Berlin-Düsseldorf, Galerie Vorsetzen, Hamburg
Architektur der Ideen, Kunsthaus Hamburg (Kat.)
Galerie allgirls, Berlin
Stadt: Modell, Kunstverein acud, Berlin
Eroberung des Zentrums von den Flügeln aus, KX Kunst auf
Kampnagel, Hamburg
Secret, Galerie Tourniquet, New York
Ausstellung Diözesanpreis, Graz
Förderpreise, Neue Galerie Graz (Kat.)
Tu Felix Austria, Galerie König,Wien
Kunstzeit, Ausstellungshalle Bochum (Kat.)
3 Fenster zum Hof, Kunstverein acud, Berlin
Fernbedienung (Steirischer Herbst), Kunstverein Graz (Kat.)
Kunstpreis 96, Neue Galerie, Graz (Kat.)
VI Biennale Intergraph, Centro Plastiche, Udine (Kat.)
Stipendiaten ‘98, Brunswicker Pavillion, Kiel
Förderpreisausstellung, RBB-Bank, Graz
1998 Digitale Bildwelten, Kunstverein und Kreissparkasse, Recklinghausen (Kat.)
Tu Felix Austria, Galerie König,Wien
Öffentliche Erscheinungen, Steirischer Herbst, Graz (Kat.)


Die Künstlerin Astrid Herrmann arbeitet seit 1990 mit industriell gefertigten Produkten und den sogenannten „Neuen Medien“. Dabei geht es ihr nicht um die Möglichkeiten neuer Effekte. Vielmehr werden die verschiedenen Erscheinungen der technisierten Umwelt ästhetisch ausgelotet. So testet sie Oberflächen aus der industriellen Warenwelt, indem sie diese mit analogen, handwerklichen Mitteln nachempfindet. Oder sie kombiniert die Eigenheiten verschiedener Medien in einer Arbeit,wie z.B.MonitorOberflächen mit denen traditioneller Printmedien. Obwohl es sich auch um eine Form von „Affirmation als Widerstand“ handelt, wird unsere medialisierte Umwelt nie zum Feind, der geläutert werden soll. Stattdessen steht die Forschung nach ästhetischen Formen und Gesetzen im Vordergrund, um sie für eine persönliche Nutzung erkennbar und brauchbar zu machen. Häufig weist die Künstlerin sich selbst einen modellhaften Charakter zu, so wenn sie ihr eigenes Tagebuch im Form einer TV- Zeitschrift präsentiert oder wenn sie moderne Anzeigeseiten aus Printmedien in Technik und Anmutung mittelalterlicher Buchminiaturen nachgestaltet. Besondere Aufmerksamkeit widmet sie der Frage nach Inszenierung einerseits und Authentizität andererseits, die jede vermittelte Bildinformation impliziert. Sie zeigt, wie unsere immer stärker ästhetisierte Welt mit ihren komplexen Sprachmustern ernst genommen und mit spielerischer, manchmal ironischer Distanz belebt werden kann.

Rüdiger Salzmann


Astrid Herrmann, zur Serie „3 digitale Fotografien, 1996“ Landschaftsfotografie ist ein Genre, mit dem sich die Künstlerin Astrid Herrmann auf sehr erfrischende Weise auseinandersetzt. In relativ großformatigen Fotoarbeiten wird man mit Bildausschnitten konfrontiert, die Aussichten auf weitläufige Wasser-, Berg- oder Wüstenlandschaften zeigen. Die Landschaft ist auf den ersten Blick gar nicht so augenfällig, da sie sich durch Unschärfe vom Rest des Bildes stark abhebt. Die Interieurs, die den Ausblick gewähren, sind menschenleere Räume, deren Fensteröffnungen vorrangig der Aussicht dienen, wie in einem Zug, auf einem Schiff oder in dem Restaurant eines Fernseh-Turmes.Das Mobiliar lädt den Betrachter ein,sich niederzulassen und den Blick über die Landschaft streichen zu lassen. Dem ruhigen Blick des Ausschauenden wird jedoch ein bewegtes Bild entgegengesetzt. Durch die Geschwindigkeit des Zuges,des Schiffes oder die der Drehung des Fernseh-Turmes,entsteht mit der vorbeiziehenden Landschaft eine filmartige Sequenz. Astrid Herrmann geht nun einen entscheidenden Schritt weiter. Die Unschärfe der Landschaften, die man zunächst der Luftperspektive zuschreiben mag, ist von einer von den übrigen Bildteilen differierenden Rasterung gekennzeichnet. Die Künstlerin hat Landschaften aus Reiseberichten und -dokumentationen vom Fernsehbildschirm abfotografiert und mittels digitaler Bearbeitung in die Fotos von besagten Interieurs montiert. Durch den manipulativen Eingriff werden zwei mediale Wirklichkeitsebenen in Austausch gebracht. Die daraus resultierende Verunsicherung bringt unterschiedliche Bewertungen von Wirklichkeiten mit sich. Gesteht man zunächst der Fotografie den größeren Wahrheitsgehalt als dem hinzugefügten Fernsehbild zu, kehrt sich dies um, wenn der Urlauber selbst lieber zur Video-Kamera greift um möglichst viel vom Gesehenen festzuhalten, als zum Fotoapparat, mit dem doch nur Ausschnitthaftes gezeigt werden kann. „Das magnetische Aufzeichnen einer Reise verschiebt das Wahrnehmen einer Reise auf einen Zeitpunkt, der zuhause auf dem Bildschirm stattfinden soll....“ schreibt Theo Ligthart in seinem Artikel „Fernsehen, Fernbedienung und Fernreise“. Hier wird angedeutet wie sehr sich die Rezeptionsmuster von Fernsehen und wirklich Erlebtem aneinander angeglichen haben. Astrid Herrmann reagiert auf die vom Verschwinden bedrohte Wirklichkeit mit einer spielerischen Leichtigkeit, die in der Manipulation nicht ein Werkzeug zur Verunklärung sieht, ondern durch den radikalen Eingriff in das Bild Methoden der Täuschung offenlegt. Das Falsche bezieht sich aber nicht allein auf den Bildproduzenten, sondern zeigt vielmehr, daß zwischen Rezipient und Produzent ein komplexes Beziehungsgefüge besteht,das unsere Bildwelt entstehen läßt.In der Verteilung der Verantwortung liegt schließlich auch ein Handlungspotential, das auf diese Weise verfügbar gemacht wird.

Eva-Maria Stadler, Grazer Kunstverein