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Franziska Goes

geb. 1971 in Berlin | lebt und arbeitet in Berlin
Förderprojekt 2005


Ausbildung
1998 Abschluß Meisterschülerin
1990 Studium an der HdK Berlin bei H.J. Diehl
   
Einzelausstellungen 
2008 abbastanza soleggiatto, Atelier Interroll, Sant Antonino, Tessin, Schweiz (mit G.Künne)
2006 Die Welt ist von mittlerer Grösse, Kunstverein Herborn
2005  DK SPOTS, Galleri Udengaard, Arhus, Dänemark
Torsby-Berlin, Galleri Thomassen, Göteborg, Schweden (mit Achim Kobe)
IBIZA, Galerie Schuster, Frankfurt
2004 out of sight MA, raum 2, Kunstverein Mannheim (mit Franziska Henning)
2003  two in one, Galerie Schuster/Scheuermann, Berlin
2002 out of sight, guestroom, heeresbäckerei-kultur, Berlin (mit Franziska Henning)
Franziska Goes places, Bad Münster am St. Ebernburg
   
Gruppenausstellungen
2006 anders sehen, Columbus Art Foudnation, Ravensburg
2004  Kunstverein Speyer, Galerie Schuster zu Gast im KV
settings # 2, loop - raum für aktuelle kunst, Berlin
Galleri Thomassen, Göteborg, Schweden
2003  dis-positiv, Staatsbank, Berlin
GASAG Kunst am Bau Projekt, Shell Haus Berlin
2001  Galleri Thomassen, Göteborg, Schweden
2000  Große Kunstausstellung, Haus der Kunst, München
Genre painting, G7 Projekte, Berlin
German Art-Michigan Art, Paint Creek Center for the Arts, Michigan, USA
Berge, 2yK Galerie Berlin
1998  V O I D- seven artists from Berlin, Unfinished gallery, New York
1997 expedition, Kunstfabrik am Flutgraben, Berlin
1995 Neue Galerie, HdK Berlin
   
Stipendien
2008 Projektförderung Interroll/Karl-Hofer-Gesellschaft, Tessin, Schweiz
2005  Arbeitsstipendium Sahlströmsgarden, Torsby, Schweden
Förderprojekt der Columbus Art Foundation, Ravensburg
2002  Arbeitsstipendium Bad Münster am St. Ebernburg

öffentliche Sammlungen

Sweden National Public Art Council
Västra Götalands Regionen, Schweden
Vaga Se Konstklubb, Schweden
Gasag, Berlin, Kunst am Bau Projekt
Sammlung der Stadt Arhus, DK
Columbus Art Foundation, Ravensburg, Deutschland

Private Sammlungen in Deutschland, Schweden und Dänemark


Bilder niedertemperaturiger Triftigkeit

 "Zu jedem ‚klassischen‘ Geschmack" gehört notwendig, wie wir von Friedrich Nietzsche wissen, "ein Quantum Kälte, Luzidität und Härte". Insofern ist die junge Malerin Franziska Goes schon jetzt eine unbeirrt Eigensinnige, wenngleich ihr wohl mehr an ihrer individuellen Version des Zeitgenössischen liegt, an federnder Verschlankung und Reduktion malerischer Sprache als daran, eine „Klassikerin“ zu sein.
 Oder ist das alles nur eine Reaktion der Malerei auf Computerästhetik, die Grellheit der Werbebotschaften und den gesellschaftlich infantilisierenden Hang zur prothetischen Kuschelecke via Fernsehen?  Die Koexistenz von Leere und reduzierter Emotionalität, einem seltsam außerirdisch wirkenden Licht und wie mit dem Schnittmesser ausgeführten Gegenstandsbeschreibungen bilden ein vitales Kompositum höheren Erkaltungsgrades. Menschliche Wesen würden die niedertemperaturige Triftigkeit nur stören.

Gegenüber der Welle expertokratisch hochgejubelter Romantizismen in der Malerei der Gegenwart, die sich in erster Linie in Richtung der platten Abschilderungen von Wirklichkeit entlädt, vermag die Bildauffassung von Franziska Goes ein ernstzunehmendes Korrektiv zu bilden.
Wenn etwas bei Franziska Goes Methode hat, dann ist es das Inszenieren von vermeintlichen Realitätssignalen in rätselhafter Raum- und Flächenvielheit, die immer dahingehend angelegt ist, einen Übergangsbereich zwischen Abstraktion und Konkretion zu finden.
Die eingeflochtenen Büsche, Bäume, Bergformationen, Häuser, Sport- und Poolanlagen sind lediglich die Verweiszeichen in einem Zwischenbereich, in dem die gesehene und erinnerte Außenhaut der Dinge und die Wirklichkeit der Malerei sanft und elegant miteinander verschmelzen.

Häufig bezieht sich Franziska Goes auf fotografische Bilder, die sie selbst anfertigt. Im gemalten Bild werden von diesen Vorlagen allerdings nur Teilstücke übernommen. Das eigentliche Interesse der Künstlerin besteht an einer selbstbezüglichen, vom Gesehenen und der fotografischen Dokumentation unabhängigen Bildfindung.
In einem Bild wie „Aussicht“ (2005) ist das, was als „Himmel“ bezeichnet werden könnte, ein sich den Beschreibungsmitteln entziehendes ineinanderlaufendes Farbstreifenkonstrukt, die „Straße“ ein sich über malerisches Gelände schwingendes grafisches Element. Die Szenerie wirkt wie ein eingefrorenes Filmbild. Die menschenleere Situation nimmt hierbei den Charakter einer Bildordnung an, in die der Betrachter eingestellt wird, um sich sogleich in ihr zu verirren, denn die zueinander und gegeneinander gesetzten Farbflächen unterschiedlicher Textur bilden eine in sich geschlossene Basiseinheit, die ganz der Komposition genügt und sich keineswegs auf ein Ausgangsfoto reduzieren lässt.
Franziska Goes spielt mit dem Betrachter, seinem Wunsch nach einem Im-Bild-Sein, um sich wiederzufinden, und der Haltung des kritischen, wertenden Gegenüber-Stehens.
Denn es ist unübersehbar, dass Franzika Goes einen wissenden Betrachter voraussetzt, der ein paar kunsthistorische Kenntnisse mitbringt, die zweifelsohne den Genuß bei der Bildbetrachtung erhöhen.
Die „Aussichts“-Perspektive wird dem Betrachter in Franziska Goes’ gleichnamigen Bild über einen klassischen Fensterausblick ermöglicht. Der zweite Bick aus einem Haus im Bild verleiht der Anlage ein Pathos des Elegischen und behauptet durch die natürliche Lichtführung zugleich die Prägekraft des Lebens, das merkwürdigerweise zwischen dem sich Ereignenden und der Gegenwart liegt. Da das Bild sowohl die Rolle eines Fensters als auch Rahmens einnimmt und Farbverläufe sowie Flächenauffächerungen ganz sich selbst und keinem Naturvorbild genügen, entstehen Verzauberungsbedingungen
von großer Unmittelbarkeit.
Wer mit den Augen durch dieses Bild wandert, sieht sich Abschied nehmen von Arkadien und seinen vielzähligen Neuauflagen und Bearbeitungen in der Kunst. Franziska Goes weiß von der romantischen Sehnsucht der Alten nach einer Verbindung aus Naturerlebnis, Religion und individueller Empfindung und der Offenbarung des Göttlichen im individuellen Erlebnis von Naturschönheit. Doch die klimatischen Sonderkonditionen ihrer Bilder sind gegebene, ganz erdgebundene Tatsachen, die völlig im Heute ankern, gelegentlich zu begründen über Hard Edge, das american cool bei Edward Hopper, den „film noir“ und die schlangengleich angreifende Kranfahrt einer Filmkamera bis hin zu den gespenstisch-leeren Szenerien bei Alfred Hitchcock.
Ob in den seelenlebensrettenden farblichen Übergängen in Bildern wie „Feld“,
„St. Gertrudis Sport“, „Jonathan“, und
„Hotel:Pool “, die alle zu einer Reihe gehören, die Franziska Goes zwischen 2004 und 2005 nach Fotogafien von Ibiza gemalt hat, oder in den etwas später während eines Arbeitsstipendiums in Torsby (Schweden) entstandenen Bildern mit den für sie typischen Unwägbarkeiten, die die Künstlerin ohne verunreinigende atmosphärische Spielereien darbietet, immer entscheidet sie sich für ein Well-made-Play erstaunlichen Frischegrades. Sie leistet sich keine stilistischen Aussetzer, verfeinert eher das Prinzip der Zweideutigkeit und zwar so, dass diese immer ebenso gut als Plädoyer für das Gegenteil gelesen werden kann. Kunstvoll unaufgeregt bringt sie ein Lebensgefühl auf den Punkt, von dem auch der ständig so wundersam gereizt melancholische Billy Corgan von den „Smashing Pumpkins“ singt, dessen Liedzeile „I could bring you the light and take you home into the night“ sich die Künstlerin für ein Bild besonders relaxten Charakters ausgeliehen hat.
Wie die Salzberge, die Franziska Goes zu Beginn des Jahres 2006 in drei Bildern gemalt hat, verströmt auch dieser Song einen Hauch arktischer Verführung, der Berührung und Abkühlungsimpuls in einem ist.

C. Tannert