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Gabriele Basch

geb. 1964 in Bad Homburg  | lebt und arbeitet in Berlin
Förderprojekt 1999

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Ausbildung
Studium der Malerei an der „HdK Berlin“, bei Prof. Diehl

Stipendien
2005 Deutsche Akademie Villa Massimo Rom
Katalogförderung der Stiftung Kunstfonds e.V., Bonn1985-93
2004 Ausslandsstipendium des Berliner Senats für Istanbul
2001 Civitella Ranieri Fellowship für Umbrien, Italien
2000 Stipendium des Kunstfonds e.V., Bonn
1999 Preisträgerin beim Kunstpreis der GrundkreditBank eG - Köpenicker Bank, Berlin
Lehrauftrag an der Svenska Yrkeshögskolan, Nykarleby, Finnland
1998 Stipendium für die Künstlerstätte Schloß Bleckede (K)
1997 Stipendium für das Mecklenburgische Künstlerhaus Schloß Plüschow
1996-1998 Lehrauftrag an der HdK Berlin
1996 Arbeitsstipendium des Senators für kulturelle Angelegenheiten, Berlin
Preisträgerin beim Wettbewerb "Übergänge", Berlin
1993 Erasmus-Stipendium am Royal-College of Art, London
1989 Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes

Einzelausstellungen (Auswahl)

2011 pakt, Kalhama & Piippo Contemporary, Helsinki, FI (mit Achim Kobe)
2010 burn, Galerie Thomassen, Göteborg, SE
tekeli-li, Galerie M&R Fricke, Berlin 
2009 Auftrag, Galerie Uschi Kolb, Karlsruhe
unbedingt, Galerie Hartwich, Sellin
2008 High Noon, Gabriele Basch & Jukka Korkeila, Gallery Kalhama & Piippo Contemporary, Helsinki, Finnland
Galerie M & R Fricke, Berlin
twist, Galerie GIST, Amsterdam (mit Carolien Stikker)
2007 SHOT BY SHOT, Kunstverein Münsterland, Coesfeld
ZIRKEL - kranker Mann letzte Reise, hessisches Ministerium für Kunst und Wissenschaft, Wiesbaden (mit W. Kaiser)
2006 LUSTDUST – Das Ende vom Lied, Galerie Haus Scheider, Karlsruhe (mit W. Kaiser)
fischen, Galerie M.&R. Fricke, Düsseldorf
fatal, café au lit, Paris (Projektraum Jens Emil Sennewald und Andrea Weisbrod)
hic sunt leones, Galerie Thomassen, Göteborg, Schweden
2005 Link, Temple Gallery, Rom (mit Alfredo Pirri)
Trip, Galerie Kamm, Berlin
2004 Park, Birner + Wittmann Galerie, Nürnberg
Galerie M.& R. Fricke, Düsseldorf
2003 Weiss, Galerie Kamm, Berlin
Blindsight, Kunstmuseum Rättvik, Schweden
2002 Block, Companylounge, artforum, Berlin
Out of the Dark, Galerie Haus Schneider, Ettlingen
Spitze, Förderkoje Art Cologne
2001 Noise, Galerie Kamm, Berlin (mit Andreas Schimanski)
Galerie M.& R. Fricke, Düsseldorf
Galerie Thomassen, Göteborg, Schweden
Lost Velvet, Galerie Kamm, Berlin
2000 Overworld, Kunstverein Unna
Overworld, Galerie Haus Schneider, Ettlingen
Tafelbild 2000, KV Leipzig Projektgalerie Elsterpark, Leipzig
Muster, Raum für Kunst, Ravensburg
1999 It`s a real thing, Galerie Thomassen, Göteborg, Schweden (mit Beate Spalthoff)
1998 Weiss wie Schnee, Galerie Haus Schneider, Ettlingen
1997 Cut, Kunstruimte, Berlin
P & P, Galerie im Parkhaus, Berlin (K)
1996 Phänomene: Unschuld, Kunstverein Wolfenbüttel

Gruppenausstellungen (Auswahl)

2011 CUT, MMKK, Klagenfurt, AT, (K)
cor Galerie Zürich, CH 
Fortuna, Galerie E105, Berlin 
2010 Wir sind Orient, Zeitgenössische Arabesken, MARTa Herford, Herford (K)
CUT, Scherenschnitte 1970 - 2010, Kunsthalle Hamburg, Galerie der Gegenwart (K)
DIE ÖFFNUNG, Studio sechs7, Hamburg
Vom Esprit der Gesten, Hans Hartung, das Informel und die Folgen, Kupferstichkabintt, Berlin
Posh Painting, Kalhama & Piippo Contemporary, Savonlinna, FI
little disco, Späti International, Berlin  picnic, Galerie Thomassen, Göteborg, SE
Floating Worlds, Delikatessenhaus, Leipzig
Mit Ecken und Kanten / Scherenschnitt heute, Städtische Museen Heilbronn
kunst.halt.design., Galerie Neumeister in Zusammenarbeit mit Büro Orange, München
schrägterrain, Columbus Art Foundation, Spinnerei Leipzig & Kunsthalle Ravensburg
WEISS, Kunstverein KISS, Schloss Untergröningen, Abtsgmünd
oqbo // paperfile, Edvard-Munch-Haus e.V., Warnemünde und Raum3, Essen
An die Natur / Die Altana Kunstsammlung, Galerie für Zeitgenössische Kunst, Leipzig
An die Natur / Die Altana Kunstsammlung, Langen Foundation, Raketenstation Hombroich, Neuss
2009 Scherenschnitte - Kontur Pur, Museum Bellerive, ein Haus des Museums für Gestaltung Zürich
zeigen, eine Audiotour durch Berlin von Karin Sander, Temporäre Kunsthalle Berlin
EVER LOOK BACK, cafè au lit, Paris
BERLIN / ISTANBUL STIPENDIATEN 1998-2009, Kunstraum Kreuzberg/Bethanien, Berlin
IN ISTANBUL, BETWEEN ARRIVAL & DEPARTURE, BM-Suma, Contemporary Art Center, Istanbul, TR
URBAN STORY, Kalhama & Piippo Contemporary, Helsinki, FI 
2008 UNTITLED, 6x2, 2008, Arthur Boskamp-Stiftung, M1, Hohenlockstedt (mit Berta Fischer, Henriette Grahnert, Thomas Rentmeister, Tilo Heinzmann, Juliane Solmsdorf, u. a.)) 
Natur, zeitgenössische Kunst aus der ALTANA Kunstsammlung, Frieder Burda Museum, Baden-Baden
IM GEGENLICHT, Museum Villa Rot, Burgrieden
Mask of Medusa, KFA Galerie, Berlin (mit Gunter Reski, Michael Kirkham, Jukka Korkeila u. a.)
An die Natur, Altana Kulturstiftung, Sinclair Haus, Bad Homburg v.d.H.
Papier - Raum, Contemporary, Galerie Thomas, München
Garten Eden - Der Garten in der Kunst seit 1900, Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen
2007 Schnittzauber, Museum Burg, Zug, CH
Vorausschau, Galerie M&R Fricke, Berlin
Garten Eden - Der Garten in der Kunst seit 1900, Kunsthalle Emden
Valley of dying Stars, Galerie Thomassen, Göteborg, SE, (mit Jukka Korkeila und Niko Luoma)
Grafik im Licht, Berlinische Galerie, Berlin
2006 Problems on the way to the modern World, Galerie Kamm, Berlin
2005 Hinterland, Villa Massimo, Rom
Baruther Salon, Kunst- und Kulturverein Baruth/Mark
2004 Take Care, Columbus Art Foundation, Kunsthaus Hamburg
B2B, Laura Mars GRP, Berlin
2003 System Leben, Binz 39, Zürich
Cut out, Galerie Barbara Groß, München
2002 Realities and Histoires dÀmour, Kunstverein Ulm
Peinture, Galerie Sfeir-Semler, Hamburg
Snowcrash, Kunst und Medienzentrum Adlershof, Berlin
Spitzenbilder & Paper-Cuts, Museum Bruder Klaus, Sachseln, Schweiz
Transvisit, Fort Masnedoe, Vordingborg, Dänemark
Nach der Natur, Berlinische Galerie im Kunstforum der Grundkreditbank, Berlin
2001 Sense of Wonder, Herzliya Museum of Art, Israel
Lebensmuster- patterns of life, Museum Schloß Hardenberg, Velbert, Schloß Ringenberg
Intime Expeditionen, Badischer Kunstverein, Karlsruhe und Haus am Waldsee, Berlin
Who killed Bambi?, K&S, Berlin
2000 made for fun, Städtische Galerie Nordhorn
Innocent Life, Contemporary Art Center, Vilnius, Litauen
1999 Sichtverhältnisse, Künstlerhaus Bethanien, Berlin
Rosa für Jungs / Hellblau für Mädchen, NGBK, Berlin
sight seeing, Schloß Plüschow
cristal clear, Kunsthalle Vaasa, Finnland
Ansichtsache - Malerei, Sammlung Columbus, Zußdorf bei Ravensburg
monta tapaa maalata, Galerie Anhava, Helsinki, Finnland
1998 Dem Ornament, Galerie Hafemann, Wiesbaden
Sichtverhältnisse, Centro Cultural Conde Duque, Madrid
Kommando Ketchup Berlin, Kunsthalle Passagen, Linköping, Schweden
1997 Was ist - der Deutsche Künstlerbund in Rostock und Wismar,
Kunsthalle Rostock
1996 odyssee / lovehotel, Documentahalle, Kassel
pop mix / volume I, Ortsbegehung 2, NBK, Berlin

Ganz klar, die Arbeiten von Gabriele Basch sind niemals eindeutig. So war die erste Gewißheit, die sich beim Betrachten einstellte, ein dauerhaftes Unbehagen. Es kostet einige Zeit,zu begreifen,was vor sich geht. Augenscheinlich berichtet uns die Künstlerin von einer heilen Welt, doch beginnt der genaue Blick auf die vertrauten Dinge,dieser Sicherheit zu Leibe zu rücken.So kommt es dazu,daß sich ein befremdliches Gefühl einschleicht. Eine bohrende Ahnung von der borstigen Kehrseite dieser verspielten Reize.
Das Werk der Künstlerin umfaßt Ölbilder, Papierschnitte,Tapeten, kleinformatige Gouachen und Aquarelle,allesamt entwickeln sie ein verwandtes Themenrepertoire, das von dem kulturellen Umfeld Gabriele Baschs genährt wird. Pop, Medien, Kultur und Werbung. Glückverheißende Sujets aus den Bereichen Familie, Urlaub, Er-
holung oder Kindheit finden Einlaß in ihre Bildwelten. Dadurch, daß die Künstlerin deren glitzerndes Erscheinungsbild in den Medien durch Übersteigerung der Effekte stumpf poliert, konterkariert  sie die Realitätsmodelle dieser Konsumwelt:Sie werden skelletiert und ausgehölt bis nichts als nackte Platzhalter einer himmlischen Voraussagung übrigbleiben. Das Bewußtsein, daß alles Natürliche, an erster Stelle die Natur selbst, ansich schon künstlich ist, soll transzendiert werden. So senden Gabriele Baschs Werke immaterielle Reize aus, die so etwas wie eine Existenz im Einklang mit der Natur weit von sich weisen. Inhaltlich nisten sie sich in eine Realität zweiten und dritten Grades ein. So gesehen auf einer Metaebene zwischen Wirklichkeit und Abstraktion.
Bei der Serie großformatiger Blumenbilder beispielsweise ist offensichtlich noch alles in bester Ordnung. Ihr Titel, „Um Himmels Willen“ (1997/1998), deutet auf doppelbödiges Terrain hin. Wie in einem wildwüchsigen Garten paaren sich dort ungeniert die widersprüchlichsten Dinge. Blumen, die absolut unecht aussehen, starren auf den Betrachter, erhalten durch ihre formale Anordnung im Bild lebendige Züge. Im Gegensatz dazu wird die Lebendigkeit des Gartens durch die artifizielle Farbigkeit und einem alles überstrahlenden Kunstlicht getilgt.Viele Stellen sind mit Schatten überlagert oder verschwimmen durch Unschärfen, – ein distanzierter Blick, den man sonst von fotografischen Schnappschüssen kennt. Dieser Verweis auf die durch die tägliche Medienüberflutung geprägte Sicht ist nebenbei auch ein typisches Kennzeichen für die Arbeitsweise der Künstlerin. Als Vorlage dienen selbst-produzierte Fotos, die sie im Bild teils übernimmt, teils durch ihre persönliche Handschrift verändert. Malerisch moduliert Gabriele Basch den Eindruck einer übersteigerten Natur. Diese widerspenstige Angelegenheit wird durch den flächigen Hintergrund verstärkt, denn dort wo eigentlich Sonne, Erde oder ein Himmel vermutet wird, öffnet sich ein eindimensionaler toter Raum, vor dessen tumber Flächigkeit das kultivierte, plastisch dargestellte Gestrüpp im Vordergrund eine abstrakte Dimension erlangt.
Bei einer früheren Serie der Künstlerin attakiert sie süße „Hoffnungsträger“ (1994-1996) der Werbewelt. Mit den unschuldigen Reklame-Babys bestückt Gabriele Basch ihre Bilder. Sie entführt die kleinen Imageträger von Zwieback- oder Griesbrei-Verpackungen, löst sie aus ihrem Kontext und konfrontiert sie mit fremden Zeichen, Logos und Codes. Sukzessive entsteht ein irritierender Sprachteppich, eine semantische Verkettung unterschiedlicher Ausdrücke. Ihr eigenes Erinnerungsvokabular verbindet Basch mit den Zeichen ihrer Umwelt, so daß sich die gewohnten Zusammenhänge Stück für Stück in einer ornamentalen Endlosschleife auflösen.Die einzelnen Elemente bleiben dabei lesbar, denn Gabriele Basch möchte nicht auf deren Bedeutung verzichten, vielmehr werden die Zeichen der Werbe- und Warenwelt auf ihren ursprünglichen Bildgehalt rückgeführt und neu lesbar, so daß sich eine Zeichenverschiebung beobachten läßt. Hinzu kommt eine farbliche Übersteigerung der niedlichen Sympathieträger durch einen pastelligen, homogenen Farbauftrag.
Bei den Papierschitten „Sugar Version II“ (1998), überzeichnet Gabriele Basch eine allzu wunderschöne Bergwelt: blühende Wiesen,wildrauschende Bächlein und nostalgische Almhütten werden inszeniert. Die Motive stammen aus einer Postkartensammlung der Künstlerin. Durch das giftig-fluoreszierende Grün, welches von der Rückseite der Arbeiten als Lichtfarbe auf die Wand abstrahlt, wird diese paradiesische Natur gestört. Hinter der schönen Komplexität der Schnitte verbirgt sich ein gewisses Maß an Irritation, denn man gleitet von deren Schönheit immer wieder ab. Überall sind Hinweise gestreut, nicht zu leichtgläubig zuzugreifen. So zielt die Schmetterling-Bordüre z.B. darauf ab, diese Idylle ironisch zu schmücken. Eine ornamentale Persiflage, die nebenbei an Häkeltischdecken von Großmutter denken läßt.
An anderer Stelle hat die Künstlerin, .... viele, viele bunte „Smarties“ (1997/1998) ins Kleinformat gepreßt. Für eine Serie aus 60 Bildern rief sie ihre persönlichen Kindheitserinnerungen wach und portraitierte das eigene Spielzeug. Die Lieblingspuppe mutiert zum fiesen Monstermädchen, – eine brutale Spielkameradin. Abfotografiert und ins Bild transformiert sprengen die „Smarties“, die auch eine liebevolle Seite darstellen,im wörtlichen Sinne das Format. Mit dieser Serie schlägt Gabriele Basch den Bogen wischen kollektiver Geschichte und persönlicher Erinnerung, die beiden Komponenten, die für sie unweigerlich zusammengehören, um den Dingen überhaupt mißtrauen zu können. Was war das noch gleich, eine friedliche Welt?

Sandra Prill