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Die ›Kunstentdecker-Workshops‹ nach der Munari-Methode
mit Marco Ceroli

Ziel der Kunstentdecker ist die Förderung der Kreativität. Durch die Vermittlung gestalterischen Wissens und den spielerischen Umgang mit Technik und Werkzeugen wird bei Kindern das Potential ihrer individuellen Phantasie geweckt und entwickelt. Im ganzheitlichen Erleben von Kunst werden Begabungen wie Stärken gefördert und/oder Defizite bearbeitet. Mit allen Sinnen wird Kunst erlebbar. Indem in den Workshops besonders darauf geachtet wird, dass die Kinder alles probieren – sich also etwas trauen – schulen die Workshops Offenheit gegenüber Neuen. Genau deshalb sprechen wir von den ›Kunstentdeckern‹.

Seit dem Jahr 2000 entwickelt Marco Ceroli im Kunsthaus Bregenz für Kinder und Jugendliche Workshops zur Gegenwartskunst. Absicht ist es dabei, die künstlerischen Ideen der jeweils aktuellen Ausstellung auf Basis eines eigenständigen Erfahrens zu vermitteln. Schwerpunkt der Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen ist es, eine einfache Kunstsprachlichkeit zu erarbeiten, so dass ein persönliches Andocken an die Kunstwelt möglich wird. Um mit den Konzepten und Inhalten von Gegenwartskunst zu kommunizieren und zu den dahinter liegenden Lebenswirklichkeiten vorzudringen, ist dafür ein praxisorientierter und schwellenfreier Zugang notwendig.
Nach zweijähriger Workshop-Praxis im ›Haus für Ideen‹ möchte Columbus Art Foundation nun in Kooperation mit den Schulen in und um Ravensburg ein neues Kunst-Vermittlungsprojekt starten. Bei jeder neuen Ausstellung soll für Schulklassen die Möglichkeit bestehen, diesen „Ort für Ideen“ zu besuchen und durch Ausstellungsführungen und Kreativ-Workshops mehr von den jeweiligen Kunstinhalten zu profitieren. Für Kinder und Jugendliche soll dieses Angebot die Möglichkeit bieten, sich zeitgenössischer Kunst nicht nur sprachlich zu nähern, sondern sie ohne Noten- und Leistungsdruck durch eigenes Erleben zu entdecken.
Aus seiner langjährigen Erfahrung mit museumspädagogischen Prozessen heraus bewertet Marco Ceroli gerade das unmittelbare Erleben der Kunstwerke außerhalb schulischer Konventionen, also an einem Ort, der ausschließlich der Kunst vorbehalten ist, als Notwendigkeit für einen nachhaltigen Lernprozess. Dies ist bedingt durch die andere Art an Konzentration, die ein Kunstort verlangt sowie die Möglichkeit der direkten Rückkopplung erlebter Anregungen zwischen Kunstwerk und eigenem praktischen Tun. Je nach persönlichen Interessen wird bei den Kindern eine Verkettung von Suchen, Forschen und Umsetzung in Gang gesetzt.
Der Lernprozess beschränkt sich dabei keinesfalls auf kunstbezogene Inhalte. Es geht den ›Kunstentdecker-Workshops‹ eben nicht um die Heranbildung ‚kleiner Künstler’! Vielmehr machen die Kinder in den Workshops Lernerfahrungen, die weit über das Feld der Kunst hinaus wirken, die sie in ganz anderen Bereichen ihres Lebens und Lernens einsetzen können.

Bei den Workshops, die nach Anzahl und Alter der teilnehmenden Schüler jeweils maßgeschneidert durchgeführt werden, wird den Schülern jederzeit inhaltliche und technische Unterstützung angeboten. Marco Ceroli gibt in seinen Workshops den Kindern Impulse, die entweder technisch direkt auf die ausgestellte Position Bezug nehmen oder verwandte (leichter nachvollziehbare) Verfahren vorstellen. Er zeigt zwar beispielhaft die Möglichkeiten der Umsetzung, aber letztlich arbeiten die Kinder nach eigenen Ideen – sie bestimmen den Rhythmus des Vorgehens.

Entscheidend für die Workshops ist der Prozess zwischen suchen und entdecken. Indem die Kinder ihre Vorgangsweise während der Arbeit diskutieren und alternative Möglichkeiten der Durchführung besprechen, stärken sie gleichzeitig das Vertrauen in ihr gestalterisches Tun. Sie lernen selbst Lösungen zu finden oder zu erfinden. Die langjährige Praxis in diesen Workshops hat gezeigt, dass gerade die Verbindung von visuellen Impulsen und praktischem Tun eine ideale Basis für nachhaltiges Lernen ist. Der Kreislauf von Sehen, Verarbeiten, Denken, Sammeln und Erleben trainiert das kreative Denken der Kinder – ihr Selbstvertrauen in die Fähigkeiten und Chancen ihrer Sinne wird gestärkt.

Die Munari-Methode
Bruno Munari (1907-1998) war Künstler, Designer, Schriftsteller und Pädagoge. Aus seinem Grundverständnis, dass nur ein kreatives Kind auch ein glückliches Kind sei, entwickelte er auf der Basis der Kunst eine Methode zur Förderung der Kreativität. Die ungezwungene Atmosphäre einer Spielwerkstatt bildet dabei den Nährboden für das Erleben und Erfahren. Im spielerischen Ausprobieren und dem tatsächlichen Begreifen mannigfaltiger Werkstoffe, Techniken und Werkzeugen werden nicht nur motorische Fertigkeiten erlernt, sondern auch das Selbstbewusstsein gezielt gefördert. In Italien wird Bruno Munaris Methode schon seit Jahren mit Erfolg angewendet und erlebt im Moment eine explosionsartige Nachfrage.



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